Workcamp mit Jugendbegegnung 1999
Programm
Vorwort
Marc
Am Flughafen angekommen, kämpften wir uns nach etwa einer viertel Stunde zum VASP-Schalter vor, und konnten schließlich unser Gepäck der VASP anvertrauen. (Wiedersehen macht Freude.) Einigen knurrte schon wieder der Magen und sie bereicherten eine multinationale Fastfoodkette, oder nutzten das noch bestehende Duty Free Angebot. Unser erster Zwischenstop war in Sao Paulo, da wir keinen Direktflug hatten. Unser Flug dorthin gestaltete sich als laut und manche sahen sich gezwungen, sich mit brasilianischem Bier müde zu trinken, um überhaupt etwas Schlaf zu finden. Leicht müde und zerknirscht, auch wegen des Jetlags, aber dennoch fröhlich ging es um 8.15 Uhr Ortszeit in Sao Paulo weiter nach Recife. Doch oh weh! Am VASP-Schalter war eine fast achtzig Meter lange Schlange und die VASP-Angestellten erachteten es nicht für nötig einen weiteren Schalter zu öffnen. Nun gut, wir mussten uns etwas in Geduld üben. Wir überbrückten die Zeit, und gingen erstmal frühstücken. Nach erfolgreichem einchecken dauerte es gerade mal noch vier Stunden, bis wir in Recife bei 30°Celsius und strahlender Sonne ankamen. Strahlend waren auch die Gesichter der Erzieher/innen und Mitarbeiter/innen von Grupo Ruas e Praças, Semente do Amanha und Sobe e Desce, die uns alle sehr herzlich begrüßten und ebenso aufnahmen. Seu Walter, unser treuer Busfahrer, fuhr uns mit seinem fertigen Bus am Ufer von Recife entlang, und wir genossen ein wunderschönes Panorama von Palmen, Strand, und Meer. Zwischendurch stoppten wir an einem Kokosnusstand und erfrischten uns mit einer eiskalten, grünen Kokosnuss. Der Saft, das Aqua de Coco war sehr lecker. In Recife gingen Carmen und Berenice noch Geld wechseln, und wir erreichten nach etwa zwanzig Minuten Fahrt Olinda. In unserer Pension angekommen, belegten wir unsere Zimmer, und hüpften glückselig in den Pool. Später gingen wir noch einkaufen und bummelten zwischen den schönen Häusern durch malerisch enge Gassen. Nach dem Abendessen trank ich noch ein Bier, und ging überwältigt von so vielen neuen Eindrücken ins Bett. Klaus
Den Morgen hatten wir noch frei, das offizielle Programm begann erst nachmittags. Wir fuhren alle zusammen ins Zentrum Recifes, um Geld zu wechseln. Wir schlenderten noch ein wenig durch die Stadt, kauften die ersten Mitbringsel und aßen zu Mittag. Um 14 Uhr 30 kamen allmählich die Mitarbeiter der einzelnen Gruppen in unsere Pousada in Olinda. Vertreten waren Grupo Ruas e Praças (Gruppe der Straßen und Plätze), Semente do Amanhã (Samen des Morgens) aus Recife und Sobe e Desce (Auf und ab) aus Olinda. Zur Begrüßung machten wir ein typisch brasilianisches Spiel und stellten uns mit Namen vor. Die Mitarbeiter ergänzten die Zugehörigkeit zur jeweiligen Gruppe. Edson, ein Erzieher der Grupo Ruas e Praças erzählte die Geschichte der Straßenkinder. Sie begann schon in der Kolonialzeit, als ein Gesetz erlassen wurde, daß die Kinder der Sklaven frei wären. Die Kinder hatten plötzlich viel Freiraum, aber so gut wie keiner konnte sich um sie kümmern. So verbrachten sie die meiste Zeit auf der Straße. Heute hat Recife 2,3 Millionen Einwohner und ungefähr 800 Straßenkinder. Das Ziel der einzelnen Gruppen ist es heute, schon erlassene Gesetze für Kinder in die Praxis umzusetzen. Mit Hilfe einiger Plakat erläuterte Grupo Ruas e Praças das Vorgehen auf der Straße. Zunächst einmal wird beobachtet (Observa), das heißt was machen die Kinder, wo halten sie sich auf, wie sind ihre Beziehungen untereinander und zu außenstehenden Personen. Dann werden Plätze ausgewählt und ihre Umgebung angeschaut. Es finden in dieser Phase schon die ersten Kontakte zu den Kindern statt. Die Beziehungen vertiefen sich nach und nach, es wird über Möglichkeiten und Chancen gesprochen: "Wie kann ich die Straße verlassen?" "Was für eine Zukunft habe ich?" Die Erzieher nennen dies die Educação de rua. Es wird unter anderem auch von Capim de Cheiro gesprochen. In der vierten Phase (Encaminhamento) werden konkrete Wege eingeleitet. Das sind zum einen Gespräche mit der Familie, das kennenlernen des Sitios, aber auch das Beantragen von Papieren, damit die Straßenkinder auch offiziell existieren. Sobe e Desce arbeitet mit der gleichen Methode auf der Straße, betreut aber auch arbeitende Kinder in den Räumen von Sobe e Desce. Sie haben Tnaz- und Malworkshops und Lesekurse. Semente do Amanhã hingegen ist ein Präventionsprojekt, da heißt sie arbeiten mit Kindern, die noch zu Hause wohnen, sie betreuen und beschäftigen sie, damit sie nicht auf die Straße gehen. Sie faßten sich sehr kurz, weiteres wollten sie bei unserem Besuch bei Semente do Amanhã erläutern. Nach der offiziellen Vorstellung aßen die Brasilianer und die Deutschen gemeinsam zu Abend in der Pousada, es wurde ein gemütliches Zusammensein. Susanne
Wir fuhren mit dem Bus zum Flughafen, um dort Tonho, Monika und Selma abzuholen. Sie kamen heute aus Deutschland zurück. Am Flughafen trafen wir die Erzieher von Grupo Ruas E Praças. Gegen 17 Uhr landete die Maschine, und eine halbe Stunde später empfingen wir sie in der Eingangshalle. Nach der herzlichen Begrüßung fuhren wir „Gringos“ mit Tonho und Selma nach Olinda. Nach dem Abendessen liefen wir noch etwas durch die Altstadt und hockten uns später noch etwas in die Blues Bar. Gegen 22.30 kehrten wir in die Pousada zurück und ließen den Abend noch gemütlich ausklingen. David
gegnung vom 17.07.99 bis 14.08.99 in Deutschland war. Seu Walter holte uns nach einem leckeren Früchtefrühstück an der Pousada ab, und wir fuhren zu Mônica. Anfänglich hatten wir noch Probleme, Mônicas Haus zu finden, und irrten etwas plan- los umher, doch schließlich wurden wir fündig. Das Haus hatte einen schönen, großen Garten mit einer Feuerstelle. Mônica hatte sich sehr viel Mühe gegeben mit dem Essen. Es gab Salate und sehr viel Grillfleisch bzw. Würstchen. Ich habe alles versucht und es war einfach köstlich. (Ich habe sicher zugenommen!) Frischen Caipirinha haben wir uns nach Anleitung der Brasilianer gemacht, der nicht schlecht war. Tonho zauberte irgendwann ein Tamborin hervor, und entlockte ihm Rhythmen wie von einem ganzen Schlagzeug. Es wurde viel erzählt, (mit Händen und Füßen gestikuliert) getanzt und wir haben viele neue Leute kennengelernt. Die Menschen in Brasilien sind so offen und freundlich und helfen dir in jeder Situation, was ich sehr bewundere und schätze. In Deutschland ist das leider sehr selten so. Gegen 20.00 Uhr verabschiedeten wir uns, und dankten Mônica und Amaro für den netten Abend. Nach einer halben Stunde Fahrt erreichten wir die Pousada und ich ging noch in den Pool. Ein paar gingen noch weg, die anderen blieben, tranken noch etwas und fielen schließlich ins Bett. Tonhos Tamborin-Beat hatte ich noch lange in den Ohren, als ich versuchte einzuschlafen. Klaus
Jeder wollte neben einem Gringo oder einer Gringa sitzen. Loi, ein Sozialarbeiter der Gruppe Sobe e Desce, brachte noch 2 Jungen aus Olinda, die auch mit auf das Sitio fuhren. Auf der Fahrt wurden wir gleich mit einem Problemfall konfrontiert, mit dem die Erzieher auf dem Sitio oft zu tun haben. 2 Jungen mußten während der Fahrt den Bus wieder verlassen, da in ihren Rucksäcken Leimflaschen gefunden wurden. Uns wäre das nie aufgefallen, doch die Erzieher haben im Laufe der Zeit ein gutes Gespür dafür entwickelt. Sie müssen konsequent sein, denn Drogen auf dem Sitio würden dort die ganze Arbeit gefährden. Die Kinder wissen, daß Drogen dort verboten sind, doch wird es immer wieder probiert. Ein Erzieher ist mit ihnen ausgestiegen und hat versucht, mit ihnen zu sprechen. Wenn sie wollen, ist es möglich, wieder mit dem 2-Tagesprozeß anzufangen. Auf dem Sitio angekommen, wurden uns die Zimmer zugeteilt. So nach und nach tauchten auch die 10 Moradores auf, die Kinder, die auf dem Sitio wohnen. Ein paar kannten wir noch von den letzten Jahren, und sie freuten sich genauso wie wir, uns wiedererkannt zu haben. Es hatte sich manches verändert. Der Aufenthaltsraum war schöner eingerichtet und geschmückt. Die Moradores wurden auf zwei Häuser verteilt, in denen sie schön unter sich sein können. Jedes Zimmer ist verziert mit Bildern oder z.B. Postern vom geliebten Fußballclub. Das einzige Mädchen hat ein hübsches Zimmer für sich allein. Woran man sich erst gewöhnen mußte war das Vorhandensein von Strom. Das Umherirren mit Taschenlampen wurde uns so meistens erspart. Durch den Strom war es auch möglich, Musik zu hören, die den ganzen Tag lang im Aufenthaltsraum zu hören war. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, wurde erst mal Mittag gegessen. Das gute alte Sitioessen hatte sich nicht verändert. Die Köchin Marina hatte ihr Können nicht verlernt: Reis, Spaghetti, Hühnchen und Salat. Nach dem Essen mußte jeder brav seinen Teller abwaschen und dann brachen wir zu einem „kleinen Spaziergang“ durch das Gelände auf. Er entpuppte sich eher als eine Art Wanderung, doch sie war eine gute Möglichkeit, mit den Kindern in näheren Kontakt zu kommen. Wieder auf dem Sitio angekommen, versammelten sich alle, um sich gegenseitig vorzustellen. Hierbei wurden die Portugiesischkenntnisse von Marc und mir herausgefordert, denn unsere Übersetzerin war mit 2 kranken Teilnehmerinnen noch in der Pousada geblieben. Ich muß sagen, wir haben die Situation mit Hilfe der Erzieher ganz gut gemeistert. Nach dem Abendessen folgte der gemütliche Teil. Die Moradores gingen alle in die Schule in das Nachbarörtchen Caaporá, der Rest versammelte sich um das Lagerfeuer, aß Popcorn und sang eine Mischung aus portugiesischen und deutschen Liedern. Wir Deutschen waren ganz begeistert von einem brasilianischen Erzieher, der wunderschön auf der Gitarre spielen konnte. Bald kannten wir fast alle Lieder. Dank dem Strom fanden wir alle ins Bett und wußten, daß wir gut schlafen müssen, denn am nächsten Tag fingen die verschiedenen Aktivitäten, wie z.B. Feldarbeit, an. Maike
Um 8.00Uhr hatten wir eine Versammlung mit den Kindern, in der die Arbeitsteilung vorgenommen wurde. Nun mußten die Gringos arbeiten. Marc: Küche Zdena: Gartenarbeit Maike und Kerstin: Macaxerafeldarbeit David und Klaus: Inhame ernten Steffi und Susanne waren leider noch krank und blieben noch in der Pension in Olinda mit Berenice und Carmen, bis es den beiden etwas besser ging. David und ich waren auf dem Feld Inhame ernten. Dies erwies sich als gar nicht so unkompliziert. Ze, der Bauer, zeigte uns jedoch sehr geduldig wie wir diese rübenartigen Knollen ausgraben mußten. Anfänglich verletzte ich noch einige Inhame mit meinem Grabstock, was sie sofort auf Qualitätsstufe zwei herunter kategorisierte. (Peinlich!) Doch nach kurzer Zeit hatte man den Dreh heraus und es machte richtig Spaß. Um 12.00 Uhr gab es Mittagessen, und jeder hatte dem anderen viel zu erzählen, wie es bei ihm mit der Arbeit geklappt hat. Marina, unsere ambitionierte Sitioköchin, überraschte Jardson zu seinem heutigen 14. Geburtstag mit einem Ananaskuchen. Die schönste Geste fand ich, dass Jardson das erste Stück Kuchen unserer Köchin Marina widmete und übergab. Anschließend sangen wir gemeinsam noch Glückwünsche und aßen den leckeren Kuchen. (Mampf!) Am Abend haben wir Holz gesammelt, ein Feuer gemacht, gemütlich Tee getrunken und in den Sternenhimmel geschaut. Marc und Carmen schenkten dem Sitio einen Ghettoblaster, der mit viel Freude entgegengenommen, sogleich auch eingeweiht wurde. Um ca. 22.00 Uhr bin ich müde und glücklich ins Bett getaucht, gespannt auf einen neuen Tag. Es ist einfach genial auf dem Sitio. Klaus
Nach dem Mittagessen konnten die Kinder beim Nähworkshop T-Shirts und Hosen anfertigen oder am Malworkshop mit Milton teilnehmen. Milton Correia, ein Künstler (Maler und Musiker) kommt wöchentlich auf den Sitio, um dort mit den Kids zu arbeiten. Wir malten ein Bild, auf dem die brasilianischen und deutschen Nationalfarben vereint waren. Natürlich tauschten wir die Werke nach ihrer Vollendung mit denen der Kinder. Nach Flußbad und Abendessen begleiteten wir die Moradores zur Abendschule in Caaporá. Die meisten Schüler, die die Abendschule besuchen, können weder lesen noch schreiben noch rechnen, und in den Klassen ist fast jede Altersstufe vertreten. Für uns schien im Unterricht alles sehr langsam zu gehen und es war ein komisches Gefühl festzustellen, dass wir Brasilportugisisch schneller lernen als ein Eingeborener. Wir blieben jedoch nicht allzu lange in der Schule, da wir den Betrieb nicht den ganzen Abend stören wollten, obwohl es auch für unsere Portugisischkenntnisse von Nutzen gewesen wäre. Also zeigten uns Ramos und Isais noch das Städtchen Caaporá, wo wir dann in einer Bar darauf warteten, dass die Schule aus war und wir mit den Kindern zum Sitio zurückfahren konnten. Kerstin
Vor dem Mittagessen veranstaltete Milton, der Musik- und Kunsterzieher, einen Trommelworkshop, der den Kindern großen Spaß bereitete. Es ist auffallend, dass fast alle Brasilianer ein ausgeprägtes Rhythmus-Gefühl besitzen; ich habe kein Kind erlebt, dass nicht musikalisch war oder nicht gerne getanzt hat. Noch in großer Entfernung konnte man die brasilianischen Trommelrhythmen hören. Auch der Nachmittag widmete sich der Musik bzw. der brasilianischen Folklore. Das Programm bestand aus einem theoretischen und einem praktischen Teil, wobei der theoretische Unterricht im Capim de Cheiro zum ersten Mal durchgeführt wurde. Die Idee stammt von Milton, der eine Musikgruppe mit den Kindern gründen will, und diese anhand einer musikalischen Grundausbildung aufziehen möchte. Er erklärte den Kindern im Workshophaus die Bedeutung von Folklore und erzählte etwas über verschiedene Tänze und die dazugehörigen Rhythmen und Instrumente. Die Kinder stellten eifrig Fragen und durften die Instrumente auch selbst ausprobieren. Auch die Entstehungsgeschichte der drei traditionellen Tänze Frevo, Maracatú und Forró wurde ihnen nahegebracht. Das große Interesse von Seiten der Kinder bestärkte Milton in seinem Entschluß, ihnen durch die Bildung einer Musikgruppe einen wichtigen Teil der brasilianischen Kultur ans Herz zu legen. Nach so viel anstrengendem Zuhören und Stillsitzen folgte anschließend der praktische Teil, den der Tanzlehrer Tonho übernahm. Wir trafen uns alle auf dem Tanz- und Versammlungsplatz und los ging’s: Einige Partnerübungen, die nicht nur Bein- und Arm- sondern auch die Lachmuskeln aktivierten, dienten zur Aufwärmung. Aufgeteilt in zwei Gruppen, mußten wir verschiedenen Tänze einstudieren und sie uns nach etwa 10 Minuten gegenseitig vorführen. Getanzt wurde nach dem Takt von Tonho, der seinem Tambourin die unterschiedlichsten Rhythmen und Geräusche entlockte. Die Teilnahme der ungelenken Deutschen am Capoeira, dem typisch- brasilianischen Kampftanz, trug zur allgemeinen Heiterkeit bei. Dann wurde es „ernst“.: Tonho brachte uns viele verschiedene Schritte des Capoeira bei, die anfangs gar nicht so einfach auszuführen waren. Trotzdem hat uns der Tanzworkshop unheimlich viel Spaß gemacht. Wenn man allerdings sieht, mit welcher Leichtigkeit und Geschmeidigkeit, die teilweise auch schon die Kinder besitzen, Tonho den perfekten Capoeira vorführt, verläßt einen Gringo doch der Mut... Als Abrundung haben wir frei Schnauze alles mögliche getanzt. Der allerletzte Tanz war eine Ciranda, die in großem Gelächter endete. Dieser Nachmittag war wirklich eine Bereicherung des Programms auf dem Sitio. Ein kleiner Teil der Gruppe war unterdessen in Goiana Geschenke einkaufen, die wir den Kindern und Erziehern am letzten Tag überreichen wollten. Leider hat auf dem Rückweg wie so oft der VW-Bus gestreikt, weshalb ein anderer gemietet werden mußte. Der Tag endete am Lagerfeuer, wo wir zu Gitarre und Bongos brasilianische und deutsche Lieder gesungen haben. Stefanie
Bevor die Kinder zurück in die Stadt fuhren, gab es noch die üblichen Abschiedsgeschenke und ein großes Auf Wiedersehen. Wir wußten ja, daß wir einige von ihnen auf der Straße wiedersehen würden. Es ist nicht leicht mit dem Gedanken umzugehen, daß diese Kinder, die eine glückliche Woche hinter sich haben, nun wieder auf sich allein gestellt und Gefahren ausgeliefert sind. Nun war es sehr ruhig. Am Lagerfeuer gab es an diesem Abend süßes Stockbrot von uns, das ziemlich gut ankam. Maike
Gegen 14 Uhr gingen wir auf ein großes Gelände in deren Mitte sich gut 50 m langes Schwimmbecken befand. Dieses Gelände gehörte zu einer Hotelanlage. Wir warfen uns alle gegenseitig ins Wasser, sprangen mit Kopfsprüngen oder Saltos vom Beckenrand und hatten alle großen Spaß. Nach der Wasserparty gab es Mittagessen. Wir teilten uns so auf daß immer Deutsche und Brasilianer nebeneinander oder sich gegenüber saßen. Auf diese Weise konnten wir mit den Brasis uns relativ gut verständigen. Anschließend fuhren wir mit dem Bus wieder zurück zum Sitio wo wir gegen halb fünf ankamen. Die Moradores gingen in den Aufenthaltsraum und schauten sich ein Fußballspiel an, während wir uns in den Hängematten etwas ausruhten. Nach dem Abendessen fuhren wir alle in das nächste Dorf nach Caaporá. Dort setzten wir uns in eine Bar und tranken Cola. Später am Abend gingen wir mit den älteren Moradores in die Dorfdisko. Dort tanzten wir bei mäßig guter Musik doch gut ab. Gegen ein Uhr verließen wir ziemlich ausgepowert die Disco. Auf der Straße wartete schon Seu Walter der Busfahrer mit seinem Bus auf uns. Gegen halb zwei erreichten kamen wir glücklich und müde auf dem Capim de Cheiro an. David
Da kann die Freude über einen entspannenden Tag mit den Kindern schon ein klein wenig getrübt werden. Aber die Hoffnung auf stärkeren Sonnenschein ein paar Kilometer weiter gibt einem dann schon noch den nötigen Schwung, in Badehose und Bikini zu schlüpfen. Im Mikrobus kam durch Gesang und gute Stimmung auch die entsprechende Laune auf. Angekommen am Strand „Ponto da Pedras“ freuten sich alle über die Sonnenstrahlen, die nur so darauf gewartet haben, so mancher weißer Haut den nötigen Braunstich zu verpassen - denkt man, nach einem doch noch auftretenden kurzen Regenschauer fängt es fast an zu stürmen. Wir haben uns bei einer Strandbar, in dessen Küche unser Mittagessen bereits brutzelte, untergestellt und getanzt. Chico dachte sich Spitznamen für einige der deutschen aus der Gruppe aus: Maike: Waldhexe Susanne: Giraffe Klaus: Vogelstrauß David: Stachelschwein Steffi: Hase Zdena: Maria Bonita Marc: Dunga Unser Mittagessen nahmen wir dann erst um 15.00 Uhr zu uns - köstlich! Danach mußten wir auch schon die Rückfahrt auf das Sitio antreten. Aber, auch wenn das Wetter nicht die ganze Zeit über mitgespielt hat, war es wieder ein sehr schöner Tag, den wir in intensivem Kontakt zu den Kindern verbracht haben. Vor allem, da es der letzte Tag auf dem Sitio war und wir den Abschied von den Moradores am folgenden Tag vor Augen hatten. Zdenka
Früh morgens um 6.00 Uhr sind wir aufgestanden, um vor dem Frühstück zu packen, zu putzen und die Abschiedsgeschenke für die Moradores und das Sitio zusammenzusuchen. Die Kinder bekamen z.B. Sonnenbrillen, Sonnencreme oder Bonbons, alles schön in Soli-T- Shirts verpackt. Der Sitioverwalterin Simone wurde Küchenmaterial und Spielzeug überreicht. Dann kam der traurige Moment. Dieses Jahr war der Abschied besonders schwer. Vor allem die Kinder konnten ihre Tränen nicht zurückhalten. Einige schrieben Zettel für uns mit lieben Abschiedsworten. Jeder schilderte seine Eindrücke und Erfahrungen dieser Woche, und am Ende spielte unser Gitarrenspieler noch seine Lieder, die mir hier in Deutschland immer noch im Ohr liegen. Mit zwei Kombis ging es dann zurück nach Olinda, und insgeheim freute sich doch jetzt jeder auf ein schönes Bett und eine richtige Dusche. Da es zu einem Programmausfall kam, wurde der Tag nicht so stressig wie erwartet. Wir hatten genug Zeit, um gemütlich Essen zu gehen, über den Sitioaufenthalt zu reden und Proviant einzukaufen. Es war schön, wieder in der Stadt zu sein, und wir alle freuten uns auf die Straßenarbeit am nächsten Tag. Maike
Susanne, Klaus und ich begleiteten Edson, seit sechs Jahren Erzieher bei GRP, und Gelly, seit zehn Jahren dabei, zum Praça de Derby in Recife. Leider trafen wir weder auf dem langen Fußweg noch auf dem Platz selbst Kinder an, was wohl auf die starke Präsens der Militärpolizei zurückzuführen war. Aufgrund der in den Medien thematisierten Straßenkinder- und Drogenproblematik wurden verstärkt Polizisten eingesetzt, die die Kinder von öffentlichen Plätzen fernhalten und vertreiben sollten, was die Arbeit der Straßenkinderorganisationen stark beeinflusst und erschwert. Edson nutzte die Zeit, um uns den Aufbau der Arbeit auf der Straße zu schildern:
Gelly und Edson notierten sich genau, was die beiden malten, um eine spätere Interpretation zu erleichtern. Die Kinder sollten das Gefühl bekommen, dass sich jemand für sie und ihr Tun interessiert. Für uns war es sehr aufschlussreich, direkt die geschilderte Theorie in die Praxis umgesetzt zu sehen. Der geduldige Umgang der Erzieher mit den Kindern und die Fähigkeit, so schnell ein gewisses Vertrauensverhältnis aufzubauen, ist wirklich bewundernswert. Beim Abschied lud Edson die Mädchen ein, am Folgenden Tag wiederzukommen, und hielt Jaqueline mehrmals dazu an, am Mittag auch auf jeden Fall zur Schule zu gehen. Dieses Erlebnis der Straßenarbeit war für uns bezüglich der Vorgehensweise auf der Straße sehr lehrreich, da wir den Beginn der Arbeit mit bestimmten Kindern noch nicht miterlebt hatten. Nach dem Mittagessen in der Nähe des Grupo-Büros wurden die Gruppen neu eingeteilt: Rio Branco in Recife Antigo, Pistinha in der Nähe des Shopping Tacaruna und Boa Viagem. Leider trafen wir in Boa Viagem am Treffpunkt keine Kinder, da es in der vergangenen Woche zwei Morde gegeben hatte und die Kids sich deshalb im ganzen Stadtteil verteilt versteckt halten. Ein paar ältere arbeitende Jugendliche waren da, mit denen Marc und Klaus Fußball spielten, und ein elfjähriger Schuhputzerjunge, mit dem ich gemalt habe. Einige Zeit verbrachten wir im Gespräch mit einem Fotographen aus L.A., der an einem Bildband über Straßenkinder arbeitet und Passfotos für die Papiere der Straßenkinder macht. Gegen Abend machten wir uns auf den Rückweg zur Pousada, da Loi, ein Erzieher von Sobe e Desce in Olinda, uns zu sich in die Tanzschule eingeladen hat, um uns traditionelle Tänze wie Coco, Frevo, Maracatu, ...... ansatzweise beizubringen. Der gute Wille unsererseits war zwar schon da, doch scheint unsere Motorik irgendwie anders zu funktionieren, so dass unser Stil etwas befremdlich aussah. Aber Hauptsache es macht Spaß. Danach schauten wir noch bei einer Veranstaltung der ursprünglich afrikanischen Religion Candomble vorbei, die für uns stark an eine Sekte mit okultistischem Hintergrund erinnert, da alle in weißen Kostümen wie in Trance zu spirituell angehauchten Klängen tanzen. Angestrengt von diesem Tag voller neuer Erfahrungen im direkten Kontakt mit der Straßenkinderproblematik, die es noch zu verarbeiten galt, ging es schließlich ins Bett. Kerstin
David
Wir schlängelten uns durch Olindas Straßen, bis wir schließlich beim Projekthaus angekommen waren. Zunächst wurden uns die Räumlichkeiten gezeigt, wobei wir auch schon den ersten Blich auf einen der Workshops werfen konnten, eine Alphabetisierungsmaßnahme für kleine Kinder. Dann saßen wir in einer Runde mit zwei Jungen aus der Basisgruppe. Die Basisgruppe repräsentiert die jeweiligen Projekte nach außen hin und vertritt diese z.B. auch auf Demos. Da wir nun auch neugierig waren, die „Pontos“ des Projektes zu sehen, machten wir uns unter der Führung des Sozialarbeiters Loy auf den Weg, diese kennenzulernen. Leider war an keiner der Stationen ein Kind. Das lag daran, weil wir durch das spontane Gespräch mit den Jungs und einer Tanzaufführung einiger Mädchen zu spät dran waren. Loy fragte uns, ob wir Interesse daran hätten, eine Favela Olindas zu sehen. Wir stimmten zu, und liefen durch eine hindurch, aber nur auf einer der Randstraßen, da Loy selbst nicht viele Bewohner kennt, und ein tieferes Vordringen in die Favela gefährlich werden könnte. Nachmittags: Grupo Ruas e Praças.
Zdenka
Wir Deutschen, die Erzieher und die 2 Basisgruppen der GRP gingen zu dem Platz 'Tortura nunca mais' (Niemals mehr Folter), wo sich schon andere Basisgruppen und Erzieher eingefunden hatten. Es lief Musik und die Stimmung war richtig toll. Natürlich beobachtete die Polizei aus einiger Entfernung das ganze Geschehen, verhielt sich aber ruhig. Dort, am Platz 'Tortura nunca mais', trafen wir auch die 3. Basisgruppe der GRP, 5 Jugendliche vom Sitio. Ein freudiges Wiedersehen. Es war vor allem schön zu sehen, daß die zurückgelassene Kleidung auf dem Sitio voll im Einsatz war. Um 15 Uhr 30 endlich gingen wir Demonstranten los, quer durch die Stadt. Unser Schlachtruf war 'Queremos viver, não só sobreviver' (Wir wollen leben, nicht nur überleben). Die Hälfte der Straße war abgesperrt und unsere kleiner Demonstrationszug lief singend und schreiend durch die Straße. Nach einer dreiviertel Stunde erreichten wir einen Platz, auf dem schon eine Bühne aufgebaut war und ein anderer Demonstrationswagen stand, der über Mikrophon weitere Schlachtrufe verbreitete. Wie sich später herausstellte, fanden auf einem Platz zwei Demonstrationen statt. Welch ein Chaos. Zwei Demonstrationswagen, die unterschiedliche Interessen vertraten und sie auch lauthals verkündeten. Aber glücklicherweise regelte sich das ganze noch. Auf der Bühne gab es Livemusik und verschiedene Basisgruppen machten Tanz- und Singaufführungen. Es war eine tolle Atmosphäre. Schade nur, daß sehr wenige an der Demonstration teilnahmen. Es wurde ein Flugblatt verteilt, auf dem sowohl Forderungen, Vorschläge, aber auch die Träume der Straßenkinder standen. "Unsere Träume: ein würdevolles Leben ohne Gewalt Schluß machen mit Gewalt, mit Drogen, mit der Prostitution und der Diskriminierung Erziehung, Ausbildung und ein Haus für alle Kinder, speziell für jene, die auf der Straße leben glücklich sein, Liebe von der Familie bekommen die Kinderprostitution beenden und, und, und " Das sind in meinen Augen Träume, die wir oft gar nicht träumen müssen, da sie schon in Erfüllung gegangen sind. Am Ende der Demonstration tanzten alle zusammen Ciranda. Wir faßten uns an den Händen, bildeten einen riesengroßen Kreis, sangen und tanzten im Kreis herum. Es war ein tolles Gefühl, ein Gefühl der Verbundenheit und Stärke. Damit ging die Demonstration zu Ende. Am Abend gingen wir alle in die Altstadt Recife. Dort trafen wir auch wieder Straßenkinder, die einige von uns bei der Straßenarbeit in 'Rio Branco' kennengelernt haben. Sie leisteten uns Gesellschaft und tanzten mit uns. Erst spät am Abend kamen wir ins Bett. Susanne
Am nächsten Morgen standen wir erst gegen 10.00 Uhr
auf. Nach einem typisch brasilianischen Frühstück, das wir alle
gemeinsam zubereitet haben, wollten wir eigentlich an den Strand fahren,
aber der Regen machte uns einen Strich durch die Rechnung. Dieser Umstand
war aber nicht unbedingt bedauerlich, da wir den Sonntag dazu nutzten,
einmal richtig auszuspannen und die Eindrücke, die wir gewonnen hatten,
zu verdauen. Außerdem lernten wir eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung
der Brasilianer kennen: Dominospielen! Die Einheimischen, vor allem die
Kinder, beherrschen dieses Spiel außergewöhnlich gut und man
sollte nicht meinen, dass eine so ausgeklügelte Taktik dahintersteckt.
Am späten Nachmittag brachen wir wieder nach Recife auf, allerdings
nicht ohne noch einmal im Meer zu baden. Auch bot uns Roseanes Vater noch
eine kleine Erfrischung an, indem er eine Runde Agua de Coco von seinem
Kokosnusspalmenhain spendierte.
Kerstin, Stefanie
Wir wurden sehr freundlich von Verónica, der Leiterin, begrüßt. Jeder, erst die brasilianischen Erzieher und Kinder, dann die Deutschen, stellte sich mit Namen vor und erzählte etwas über sich. Anschließend zeigte uns die Tanzgruppe traditionelle Tänze, die sie gelernt hatten, Maracatu, Afoxé, Frevo und Coco. Am Ende ihrer Vorführung forderten die Tänzer/Innen uns Deutsche auf, mitzutanzen. Das war vielleicht ein Gelächter, aber es hat sehr viel Spaß gemacht, und einige von uns stellten sich auch gar nicht so schlecht an. Zum Abschluß sagte Verónica, daß sie es schön fand, daß wir alle zusammen ein kleines Fest gefeiert haben. Am Nachmittag gingen einige von uns in die Stadt, um Sachen wie zum Beispiel Sandalen, Kokosringe, Armbändchen und so weiter für die AG-Recife einzukaufen. Sie werden in Deutschland für eine Spende weitergegeben. So ein "Einkaufsbummel" ist ganz schön anstrengend. Am Abend waren wir ziemlich müde. Einige gingen noch auf den Hügel, um den beliebten Tapioca und Queijo zu essen, die anderen blieben in der Pousada und machten es sich dort gemütlich. Susanne
Hier lernten wir die etwas andere, aber leider nicht völlig untypische, Seite der Straßenarbeit kennen. Wir kamen an und es waren keine Kinder da. Mônica und Roselene erklärten uns, daß die Stadt eine neue Maßnahme durchführt, die Kinder einsammelt, ihnen zu essen gibt und eine Dusche anbietet. Im ersten Moment konnten wir den Frust der beiden darüber nicht verstehen, da sich doch nun endlich auch von offizieller Seite etwas tut. Dann aber erkannten auch wir das Problem: die Kinder bekamen zwar Nahrung usw., doch keinerlei pädagogische Unterstützung. Meistens, erzählten Mônica und Roselene, wirft diese Maßnahme der Stadt die Arbeit und den Fortschritt der Pädagogen sogar zurück. Wir warteten noch 1,5 Stunden, und als dann immer noch keine Kinder aufgetaucht waren, machten wir uns wieder auf den Weg zum Büro. Nach dem Mittagessen waren wir drei zu Boa Viagem mit
Tonho und Roseane eingetragen.
Zdenka
Über den Sitioaufenthalt waren sich Deutsche wie Brasilianer einig, dass sich die Gruppe gut integriert hat. Die Deutschen waren außerdem von der Energie der Erzieher und der vielen selbstgemachten Musik begeistert. Die Brasilianer fanden, dass wir uns aktiv und gut in die pädagogische Arbeit eingebracht haben. Die deutschen Teilnehmer, die schon einmal in Capim de Cheiro waren, waren alle der Ansicht, dass es wesentlich strukturierter und ruhiger vonstatten ging, was wir als die Früchte der Arbeit der Erzieher interpretierten. Während des Gesprächs kam die Frage auf, was eigentlich mit den Jugendlichen passiert, sobald sie 18 werden, da wir am Anfang erfahren hatten, dass sie dann den Sitio verlassen müssen. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine ist die Rückkehr in die Familie, nachdem genügend Kontakte stattgefunden haben. Eine zweite ist der Einstieg in den informellen Arbeitsmarkt, der von einer irischen Gruppe mit ausgeliehenem Startkapital unterstützt wird. Eine dritte Möglichkeit ist die Weitervermittlung an ein anderes Projekt in der Stadt. Es gibt verschiedene weitere Alternativen. Außerdem wird häufig durch die Mitarbeit in Werkstätten in Caapora, dem nächsten Ort zum Sitio, ein weiterer Grundstein für ein Leben auf eigenen Füßen gelegt. Auch bei der Arbeit auf der Straße waren die Brasilianer der Meinung, dass wir uns sehr gut eingebracht haben, vielleicht auch durch die portugiesischen Grundkenntnisse von einigen. Die deutsche Gruppe interessierte sich noch dafür, welche Ausbildung es für Straßenerzieher gibt. Es ist so, dass eine spezielle Ausbildung nicht existiert. Es gibt jedoch verschiedene Weiterbildungsangebote in diesem Bereich, zum Beispiel von der städtischen Suchtberatungsstelle oder von der nationalen Straßenkinderbewegung. Über deren Struktur wurden wir als nächstes aufgeklärt. Sie ist zum einen der Zusammenschluß der Erzieher und Personen, die mit Straßenkindern arbeiten beziehungsweise für sie kämpfen, zum anderen auch der Zusammenschluß der Straßenkinder selbst. So gibt es verschiedene Basisgruppen der Kinder, die jeweils von Erziehergruppen betreut werden. Ruas e Praças betreut insgesamt drei Gruppen: Die 'artistas da rua' (Künstler der Straße), das sind die arbeitenden Kinder, 'girassol' (Sonnenblume), in der die Jugendlichen des Sitio, aber auch der ländlichen Umgebung des Sitios vertreten sind, sowie die 'meninos da rua', die drogenkonsumierenden und auf der Straße lebenden Jugendlichen. Das Programm betreffend waren sich die Deutschen einig, dass Qualität und Mischung sehr gut waren. Einige hätten gerne mehr auf der Straße gearbeitet, die meisten fanden die Tage auf der Straße jedoch ausreichend. Für die deutsche Gruppe wäre manches einfacher zu organisieren, wenn von brasilianischer Seite verantwortliche Personen für die einzelnen Tage oder Wochen benannt würden. Trotzdem hat die Organisation sehr gut funktioniert. Anschließend führten wir noch ein kurzes Gespräch mit Grupo 'Sobe e decse'. Dort wäre für uns ebenfalls die Arbeit auf der Straße interessant gewesen, aber Abstimmungsprobleme mit Ruas e Praças führten dazu, dass wir Sobe e desce an einem Tag besuchten, an dem keine Straßenarbeit stattfand. Trotzdem war es interessant, die Struktur der Gruppe kennenzulernen, besonders, wie sie die Arbeit auf der Straße und die Stadtteilarbeit verbinden, was es einfacher macht, die Straßenkinder aus den Stadtteilen wieder zu Hause unterzubringen. Im nächsten Jahr möchten sie uns Straßenarbeit zeigen und uns eventuell einige Eltern von Kindern, die wir kennengelernt haben, vorzustellen. Das Gespräch war sehr kurz, da Sobe e desce noch einen Termin im Rathaus hatte. Dort sollten sie für Gelder, die ihnen vor einigen Jahren zugesichert worden waren und die ihnen nie ausgezahlt wurden, einen Verwendungsnachweis vorlegen sowie bestätigen, das Geld vor zwei Jahren erhalten zu haben. Deutsche und Brasilianer waren sich einig, dass das seltsame Methoden sind. Den Nachmittag verbrachten wir damit, verschiedene Dinge für das Abschlußfest zu organisieren sowie Geschenke für die Gruppen zu kaufen. Marc
Gegen 23.00 Uhr fand der offizielle Teil des Abends statt, an dem wir Geschenke austauschten und herzliche Dankesworte wechselten. Der GRP überreichten wir mehrere Alphabetisierungs- und andere Spiele für das Capim de Cheiro und die Kinder auf der Straße. Zusätzlich schenkten wir den Erziehern, die das ganze Programm für uns organisiert hatten, als Gastgeschenk ein Album mit Bildern von Deutschland und je einer persönlich gestalteten Seite. Sobre e Desce bekam von der Soli-Jugend mehrere Brettspiele, da wir bei unserem Besuch dort keine entdeckt hatten. Weil Semente do Amanha viele handwerkliche Workshops wie Nähen oder Malen anbietet, übergaben wir den Erziehern dieser Gruppe Malmaterial. Wir wünschen uns, dass unsere Geschenke sehr viele Kinder glücklich machen werden, und wir hoffen, dass sich die Gruppen über unsere Geschenke genauso freuen wie wir uns über ihre, die wir kurz darauf bekamen: Von GRP erhielt jeder einen von den Kindern bemalten Karnevalshut, Sobre e Desce schenkte jedem ein selbstgemachtes Armbändchen und die Kinder von Semente do Amanha hatten Taschentücher für uns bestickt. Wir haben uns alle sehr gefreut und dementsprechend glücklich in die Kamera gelacht, als wir ein Gruppenfoto mit Karnevalshütchen geknipst haben. Kurz darauf waren wir allerdings wieder traurig, da niemand von uns nachhause wollte. Trotzdem genossen wir den letzten gemeinsamen Abend indem wir zusammen Samba, Frevo oder Ciranda tanzten, den Brasilianern den deutschen Schlager „näherbrachten“ oder in angeregten Unterhaltungen ein letztes Mal unsere Portugiesisch-Kenntnisse vertieften. Auch wenn sich gegen 3.00 Uhr morgens schon der Großteil der Brasilianer verabschiedet hatte, erreichte die Stimmung einen Höhepunkt, als einige von uns in den Pool sprangen und einige andere sich unfreiwillig dazugesellten. Erst als die Sonne unseren letzten Tag auf brasilianischem Boden ankündigte, fanden wir für ein paar Stunden Ruhe, aber wir waren uns alle einig, dass es sich gelohnt hatte, den Schlaf um eine Nacht zu verschieben... Stefanie
Nach unserer ausgiebigen Abschiedsfeier ganz nach brasilianischer Art und Weise, mussten wir schon nach wenigen Stunden Schlaf wieder aufstehen, um rechtzeitig mit dem Packen fertigzuwerden. Während wir auf Walter und die Leute von der Grupo warteten, kam Milton noch vorbei, um sich zu verabschieden und uns Bilder von den Kids auf dem Sitio zu bringen, die sie für uns gemalt hatten. Auf dem Weg zum Flughafen lieferten wir Susanne, die länger in Brasilien blieb, noch an der Metrostation ab. Um 15.15 Uhr hatten wir am Flughafen eingecheckt und dann hieß es Bob`s Burger auf der Besucherterrasse futtern und warten. Natürlich durfte vor dem endgültigen Abschied die große Ciranda in der Abflugshalle nicht fehlen und so war es auch nicht zu vermeiden, dass einige Abschiedstränen flossen und wir erst auf den letzten Drücker im Flieger saßen, da wir die Dauer der Abschiedszeremonie unterschätzt hatten. Mit eineinhalb Stunden Verspätung starteten wir schließlich und konnten vom Flugzeug aus noch einen letzten Blick auf die Skyline von Boa Viagem erheischen, bevor es Richtung Heimat ging. Kerstin
Abschlußbeurteilung
AbschlußbeurteilungDer Inhalt dieser Abschlußbeurteilung ist das Ergebnis des Nachbereitungstreffens vom 23. 10. 1999 in Karlsruhe. 1. Ergebnisse
2. Erfahrungen
3. Erkenntnisse
4. Schlußfolgerungen
für die Gruppe 1999
Marc |
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