Workcamp mit Jugendbegegnung 1999
 
 
Reisebericht des Workcamps mit Jugendbegegnung in Recife / Brasilien vom 11. August bis 4. September 1999: 
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"Ordnung und Fortschritt"


Programm

11.8. Flug nach São Paulo
12.8. Weiterflug über Salvador nach Recife, Begrüßung und Fahrt zur Unterkunft
13.8. vormittags Freizeit
  nachmittags Treffen mit Erziehern von Grupo Ruas e Pracas und anderen Gruppen
14.8. nachmittags Bummel durch Boa Viagem, Empfang der brasilianischen Freunde am Flughafen
15.8. Einladung zum Grillfest
16.8. vormittags Fahrt zum Sitio
  nachmittags Kennenlernen der Umgebung des Sitios, Vorstellung
17.8. vormittags Feldarbeit
  nachmittags Erkundung der Umgebung des Sitios
18.8. vormittags Feldarbeit
  nachmittags Kunstworkshop
  abends Ausflug nach Caaporá (Schule)
19.8. vormittags Aufräumen des Sitios, Feld- und Gartenarbeit
  nachmittags Tanz- und Trommelworkshops
20.8. vormittags Flußwanderung
nachmittags Verabschiedung der 5-Tages Kinder
21.8. tagsüber Strandausflug mit den Moradores
  abends Ausflug nach Caaporá (Tanzveranstaltung)
22.8. Strandausflug mit den Moradores
23.8. Rückkehr vom Sitio
24.8. vormittags Arbeit auf der Straße
  nachmittags Arbeit auf der Straße
abends Tanzstunde, Besuch beim Candomble
25.8. Strandausflug nach Gaibu
26.8. vormittags  Besuch bei Sobe e Desce
  nachmittags Arbeit auf der Straße
27.8. vormittags  Freizeit
nachmittags Demonstration mit der Nationalen Straßenkinderbewegung
28.8.   Wochenendausflug nach Litoral do Sul
29.8.   Wochenendausflug nach Litoral do Sul
30.8. vormittags  Besuch bei Semente do Amanhã
nachmittags Freizeit, Stadtbummel
31.8. vormittags Arbeit auf der Straße
  nachmittags Arbeit auf der Straße
abends Tanzstunde
1.9. Auswertungstreffen mit den Gruppen
2.9. tagsüber Vorbereitung des Abschlußfestes
abends Abschlußfestes
3.9. Rückflug nach Deutschland
4.9. Ankunft in Frankfurt

Vorwort
Das Workcamp mit Jugendbegegnung 1999 war das siebte seiner Art. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend konnten 10 Personen der Einladung unserer Partnergruppe Grupo Ruas e Praças nach Recife folgen.
Als Dolmetscherin konnten wir wie im vergangenen Jahr Berenice gewinnen, die mit ihrem Hintergrundwissen sowie ihren Ortskenntnissen wesentlich zum Erfolg der Maßnahme beigetragen hat.
Die Delegationsleitung wurde Carmen und mir übertragen. Wir beide haben schon früher Erfahrung im Bereich Delegationsleitung in Brasilien sammeln können.
Der diesjährige Aufenthalt wurde im Vergleich zum letzten Jahr um 3 Tage verlängert, da im letzten Jahr eine sehr große Veranstaltungsdichte vorlag. Das Programm sah zunächst einen dreitägigen Aufenthalt in der Stadt vor, danach eine Woche Sitio Capim de Cheiro sowie knappe zwei Wochen in Recife. Das Programm, das uns die brasilianischen Partner anboten, wurde vorher in enger Zusammenarbeit zusammengestellt.
Dieser Abschlußbericht ist in Form eines Tagebuchs geschrieben. Die Erkenntnisse und Erfahrungen sind am Ende als Ergebnis unseres Nachbereitungstreffens zusammengefaßt.
Zuletzt möchte ich auch im Auftrag der Gruppe noch einigen Personen und Institutionen danken, ohne die das Workcamp mit Jugendbegegnung in Brasilien nicht in dieser Qualität durchgeführt werden könnte. Unser Dank gilt Erwin Ruf für die Organisation von Deutschland aus, unseren Freunden von Grupo Ruas e Praças für die Durchführung vor Ort, dem Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für die Unterstützung bei der Finanzierung sowie Berenice, die wesentlich dazu beitrug, dass wir Brasilien auf diese Art und Weise kennengelernt haben.

Marc 
Mittwoch, 11. 08. 99 / Donnerstag, 12. 08. 99
Hurra, heute ist unser großer Tag, die Reise nach Brasilien beginnt. Wir trafen uns um 17.20 Uhr am Bahnhof in Karlsruhe. Einige stärkten sich noch bei McDonald's für die uns bevorstehende Zugfahrt zum Frankfurter Flughafen. Dies erwies sich als sehr sinnvoll, da auch am 11.08. die Sonnenfinsternis war, und sämtliche Züge mit nervigen Sonnenfinsternistouristen überfüllt waren.(Sitzplatz ade!)
Am Flughafen angekommen, kämpften wir uns nach etwa einer viertel Stunde zum VASP-Schalter vor, und konnten schließlich unser Gepäck der VASP anvertrauen. (Wiedersehen macht Freude.)
Einigen knurrte schon wieder der Magen und sie bereicherten eine multinationale Fastfoodkette, oder nutzten das noch bestehende Duty Free Angebot.
Unser erster Zwischenstop war in Sao Paulo, da wir keinen Direktflug hatten. Unser Flug dorthin gestaltete sich als laut und manche sahen sich gezwungen, sich mit brasilianischem Bier müde zu trinken, um überhaupt etwas Schlaf zu finden. Leicht müde und zerknirscht, auch wegen des Jetlags, aber dennoch fröhlich ging es um 8.15 Uhr Ortszeit in Sao Paulo weiter nach Recife.
Doch oh weh! Am VASP-Schalter war eine fast achtzig Meter lange Schlange und die VASP-Angestellten erachteten es nicht für nötig einen weiteren Schalter zu öffnen. Nun gut, wir mussten uns etwas in Geduld üben. Wir überbrückten die Zeit, und gingen erstmal frühstücken. Nach erfolgreichem einchecken dauerte es gerade mal noch vier Stunden, bis wir in Recife bei 30°Celsius und strahlender Sonne ankamen.
Strahlend waren auch die Gesichter der Erzieher/innen und Mitarbeiter/innen von Grupo Ruas e Praças, Semente do Amanha und Sobe e Desce, die uns alle sehr herzlich begrüßten und ebenso aufnahmen.
Seu Walter, unser treuer Busfahrer, fuhr uns mit seinem fertigen Bus am Ufer von Recife entlang, und wir genossen ein wunderschönes Panorama von Palmen, Strand, und Meer. Zwischendurch stoppten wir an einem Kokosnusstand und erfrischten uns mit einer eiskalten, grünen Kokosnuss. Der Saft, das Aqua de Coco war sehr lecker.
In Recife gingen Carmen und Berenice noch Geld wechseln, und wir erreichten nach 
etwa zwanzig Minuten Fahrt Olinda.
In unserer Pension angekommen, belegten wir unsere Zimmer, und hüpften glückselig in den Pool.
Später gingen wir noch einkaufen und bummelten zwischen den schönen Häusern durch malerisch enge Gassen. Nach dem Abendessen trank ich noch ein Bier, und ging überwältigt von so vielen neuen Eindrücken ins Bett.
Klaus
Freitag, 13. 08. 99
Die meisten von uns erwachten schon ziemlich früh, sicherlich aufgrund der Zeitverschiebung von 5 Stunden. So gingen wir vor dem Frühstück noch an den Strand baden. Dann unser erstes brasilianisches Frühstück mit viel Früchten und Obst.
Den Morgen hatten wir noch frei, das offizielle Programm begann erst nachmittags. Wir fuhren alle zusammen ins Zentrum Recifes, um Geld zu wechseln. Wir schlenderten noch ein wenig durch die Stadt, kauften die ersten Mitbringsel und aßen zu Mittag.
Um 14 Uhr 30 kamen allmählich die Mitarbeiter der einzelnen Gruppen in unsere Pousada in Olinda. Vertreten waren Grupo Ruas e Praças (Gruppe der Straßen und Plätze), Semente do Amanhã (Samen des Morgens) aus Recife und Sobe e Desce (Auf und ab) aus Olinda.
Zur Begrüßung machten wir ein typisch brasilianisches Spiel und stellten uns mit Namen vor. Die Mitarbeiter ergänzten die Zugehörigkeit zur jeweiligen Gruppe.
Edson, ein Erzieher der Grupo Ruas e Praças erzählte die Geschichte der Straßenkinder. Sie begann schon in der Kolonialzeit, als ein Gesetz erlassen wurde, daß die Kinder der Sklaven frei wären. Die Kinder hatten plötzlich viel Freiraum, aber so gut wie keiner konnte sich um sie kümmern. So verbrachten sie die meiste Zeit auf der Straße. Heute hat Recife 2,3 Millionen Einwohner und ungefähr 800 Straßenkinder. Das Ziel der einzelnen Gruppen ist es heute, schon erlassene Gesetze für Kinder in die Praxis umzusetzen.
Mit Hilfe einiger Plakat erläuterte Grupo Ruas e Praças das Vorgehen auf der Straße. 
Zunächst einmal wird beobachtet (Observa), das heißt was machen die Kinder, wo halten sie sich auf, wie sind ihre Beziehungen untereinander und zu außenstehenden Personen.
Dann werden Plätze ausgewählt und ihre Umgebung angeschaut. Es finden in dieser Phase schon die ersten Kontakte zu den Kindern statt.
Die Beziehungen vertiefen sich nach und nach, es wird über Möglichkeiten und Chancen gesprochen: "Wie kann ich die Straße verlassen?" "Was für eine Zukunft habe ich?" Die Erzieher nennen dies die Educação de rua. Es wird unter anderem auch von Capim de Cheiro gesprochen.
In der vierten Phase (Encaminhamento) werden konkrete Wege eingeleitet. Das sind zum einen Gespräche mit der Familie, das kennenlernen des Sitios, aber auch das Beantragen von Papieren, damit die Straßenkinder auch offiziell existieren.
Sobe e Desce arbeitet mit der gleichen Methode auf der Straße, betreut aber auch arbeitende Kinder in den Räumen von Sobe e Desce. Sie haben Tnaz- und Malworkshops und Lesekurse.
Semente do Amanhã hingegen ist ein Präventionsprojekt, da heißt sie arbeiten mit Kindern, die noch zu Hause wohnen, sie betreuen und beschäftigen sie, damit sie nicht auf die Straße gehen. Sie faßten sich sehr kurz, weiteres wollten sie bei unserem Besuch bei Semente do Amanhã erläutern.
Nach der offiziellen Vorstellung aßen die Brasilianer und die Deutschen gemeinsam zu Abend in der Pousada, es wurde ein gemütliches Zusammensein.
Susanne
Samstag, 14. 08. 99 
Da einige von uns in der letzten Nacht erst sehr spät nach Hause gekommen sind, viel uns das Aufstehen natürlich sehr schwer. Als wir dann erst gegen 10 Uhr beim Frühstück erschienen, war das Buffet schon fast ganz leer. So mußten wir uns mit einem sehr bescheidenen Frühstück zufrieden geben. Danach schwammen ein paar von uns im Pool, oder wir ruhten uns noch etwas aus. Am späten Vormittag schlug Marc vor, wir könnten in das Einkaufszentrum von Boa Viagem fahren, man sollte es gesehen haben, um Brasilien zu verstehen. Gegen 12 Uhr fuhren dann Marc, Klaus, Maike, Zdena, Kerstin und ich mit dem Bus Richtung Boa Viagem. Die Busfahrt dauerte ca.  60min. Als der Bus auf dem Gelände des Einkaufszentrum hielt, waren wir schon äußerst erstaunt und beeindruckt von der Größe des riesigen Gebäudekomplexes. Wie wir von Marc erfahren sollten, ist Boa Viagem das größte Einkaufszentrum Südamerikas. Und am Rande des Geländes, nur durch eine weiße Mauer getrennt, liegt eine der größten Favelas von Recife. Als wir durch den riesigen Einkaufscenter liefen, wurde mir erst klar, wie groß das Gebäude ist. Es gibt dort  auf  zwei Etagen verteilt Musikgeschäfte, Lebensmittelgeschäfte, Boutiken, Sportgeschäfte, Tierhandlungen, Kleider- und Schuhgeschäfte, Souvenirsläden etc. Sogar ein Kino gibt es in dem riesigen Komplex. Das ganze Gebäude ist sehr fein und luxoriös ausgestattet. Wir schlenderten kreuz und quer durch das Center - aßen dort auch zu Mittag - und verließen etwa nach zweieinhalb Stunden das Gebäude. Als wir an der Bushaltestelle auf den Bus warteten, wurde mir klar, wie sich die Leute in der Favela fühlen müssen - in ihrer großen Armut nur durch ein Mauer von dem luxoriösen Einkaufsparadies getrennt. 
Wir fuhren mit dem Bus zum Flughafen, um dort Tonho, Monika und Selma abzuholen. Sie kamen heute aus Deutschland zurück. Am Flughafen trafen wir die Erzieher von Grupo Ruas E Praças. Gegen 17 Uhr landete die Maschine, und eine halbe Stunde später empfingen wir sie in der Eingangshalle. Nach der herzlichen Begrüßung fuhren wir „Gringos“ mit Tonho und Selma nach Olinda. 
Nach dem Abendessen liefen wir noch etwas durch die Altstadt und hockten uns später noch etwas in die Blues Bar. Gegen 22.30 kehrten wir in die Pousada zurück und ließen den Abend noch gemütlich ausklingen.
David
Sonntag, 15. 08. 99
Heute am Sonntag waren wir bei Mônica und ihrem Mann Amaro eingeladen. Mônica gibt eine Wilkommens-Party, da sie ja mit Selma und Tonho bei der Fachkräftebe-
gegnung vom 17.07.99 bis 14.08.99 in Deutschland war. Seu Walter holte uns nach einem leckeren Früchtefrühstück an der Pousada ab, und wir fuhren zu Mônica.
Anfänglich hatten wir noch Probleme, Mônicas Haus zu finden, und irrten etwas plan-
los umher, doch schließlich wurden wir fündig. Das Haus hatte einen schönen, großen Garten mit einer Feuerstelle. Mônica hatte sich sehr viel Mühe gegeben mit dem Essen. Es gab Salate und sehr viel Grillfleisch bzw. Würstchen. Ich habe alles versucht und es war einfach köstlich. (Ich habe sicher zugenommen!)
Frischen Caipirinha haben wir uns nach Anleitung der Brasilianer gemacht, der nicht schlecht war. Tonho zauberte irgendwann ein Tamborin hervor, und entlockte ihm Rhythmen wie von einem ganzen Schlagzeug. Es wurde viel erzählt, (mit Händen und Füßen gestikuliert) getanzt und wir haben viele neue Leute kennengelernt. Die Menschen in Brasilien sind so offen und freundlich und helfen dir in jeder Situation, was ich sehr bewundere und schätze. In Deutschland ist das leider sehr selten so.
Gegen 20.00 Uhr verabschiedeten wir uns, und dankten Mônica und Amaro für den netten Abend. Nach einer halben Stunde Fahrt erreichten wir die Pousada und ich ging noch in den Pool. Ein paar gingen noch weg, die anderen blieben, tranken noch etwas und fielen schließlich ins Bett. Tonhos Tamborin-Beat hatte ich noch lange in den Ohren, als ich versuchte einzuschlafen.
Klaus
Montag, 16. 08. 99
Nach dem erholsamen ersten Wochenende hieß es heute früh aufstehen, denn eine Woche Sitio lag vor uns. Der Busfahrer Seu Walter holte uns mit dem Bus ab, in dem auch schon die 5-Tageskinder aus Recife auf uns warteten. Es war schön, viele bekannte Gesichter wiederzusehen, und auch die Kinder empfingen uns mit großem Geschrei.
Jeder wollte neben einem Gringo oder einer Gringa sitzen. Loi, ein Sozialarbeiter der Gruppe Sobe e Desce, brachte noch 2 Jungen aus Olinda, die auch mit auf das Sitio fuhren. Auf der Fahrt wurden wir gleich mit einem Problemfall konfrontiert, mit dem die Erzieher auf dem Sitio oft zu tun haben. 2 Jungen mußten während der Fahrt den Bus wieder verlassen, da in ihren Rucksäcken Leimflaschen gefunden wurden. Uns wäre das nie aufgefallen, doch die Erzieher haben im Laufe der Zeit ein gutes Gespür dafür entwickelt. Sie müssen konsequent sein, denn Drogen auf dem Sitio würden dort die ganze Arbeit gefährden. Die Kinder wissen, daß Drogen dort verboten sind, doch wird es immer wieder probiert. Ein Erzieher ist mit ihnen ausgestiegen und hat versucht, mit ihnen zu sprechen. Wenn sie wollen, ist es möglich, wieder mit dem 2-Tagesprozeß anzufangen.
Auf dem Sitio angekommen, wurden uns die Zimmer zugeteilt. So nach und nach tauchten auch die 10 Moradores auf, die Kinder, die auf dem Sitio wohnen. Ein paar kannten wir noch von den letzten Jahren, und sie freuten sich genauso wie wir, uns wiedererkannt zu haben. Es hatte sich manches verändert. Der Aufenthaltsraum war schöner eingerichtet und geschmückt. Die Moradores wurden auf zwei Häuser verteilt, in denen sie schön unter sich sein können. Jedes Zimmer ist verziert mit Bildern oder z.B. Postern vom geliebten Fußballclub. Das einzige Mädchen hat ein hübsches Zimmer für sich allein. Woran man sich erst gewöhnen mußte war das Vorhandensein von Strom. Das Umherirren mit Taschenlampen wurde uns so meistens erspart. Durch den Strom war es auch möglich, Musik zu hören, die den ganzen Tag lang im Aufenthaltsraum zu hören war.
Nachdem wir uns eingerichtet hatten, wurde erst mal Mittag gegessen. Das gute alte Sitioessen hatte sich nicht verändert. Die Köchin Marina hatte ihr Können nicht verlernt: Reis, Spaghetti, Hühnchen und Salat. Nach dem Essen mußte jeder brav seinen Teller abwaschen und dann brachen wir zu einem „kleinen Spaziergang“ durch das Gelände auf. Er entpuppte sich eher als eine Art Wanderung, doch sie war eine gute Möglichkeit, mit den Kindern in näheren Kontakt zu kommen. Wieder auf dem Sitio angekommen, versammelten sich alle, um sich gegenseitig vorzustellen. Hierbei wurden die Portugiesischkenntnisse von Marc und mir herausgefordert, denn unsere Übersetzerin war mit 2 kranken Teilnehmerinnen noch in der Pousada geblieben. Ich muß sagen, wir haben die Situation mit Hilfe der Erzieher ganz gut gemeistert. Nach dem Abendessen folgte der gemütliche Teil. Die Moradores gingen alle in die Schule in das Nachbarörtchen Caaporá, der Rest versammelte sich um das Lagerfeuer, aß Popcorn und sang eine Mischung aus portugiesischen und deutschen Liedern. Wir Deutschen waren ganz begeistert von einem brasilianischen Erzieher, der wunderschön auf der Gitarre spielen konnte. Bald kannten wir fast alle Lieder.
Dank dem Strom fanden wir alle ins Bett und wußten, daß wir gut schlafen müssen, denn am nächsten Tag fingen die verschiedenen Aktivitäten, wie z.B. Feldarbeit, an.
Maike
Dienstag, 17. 08. 99
Marc weckte uns überaus motiviert schon mitten in der Nacht (7.00Uhr) und erklärte uns, dass es um 7.30Uhr Frühstück gibt. Doch das frühe Aufstehen lohnte sich, da die Sonne noch relativ tief stand, und ich genoß einen wunderschönen Blick über unendliche Weiten des Zuckerrohrs. Zum Frühstück gab es leckere Früchte und eine Art Mus mit Meeresfrüchten.
Um 8.00Uhr hatten wir eine Versammlung mit den Kindern, in der die Arbeitsteilung vorgenommen wurde. Nun mußten die Gringos arbeiten.
Marc: Küche
Zdena: Gartenarbeit
Maike und Kerstin: Macaxerafeldarbeit
David und Klaus: Inhame ernten
Steffi und Susanne waren leider noch krank und blieben noch in der Pension in Olinda mit Berenice und Carmen, bis es den beiden etwas besser ging.
David und ich waren auf dem Feld Inhame ernten. Dies erwies sich als gar nicht so unkompliziert. Ze, der Bauer, zeigte uns jedoch sehr geduldig wie wir diese rübenartigen Knollen ausgraben mußten. Anfänglich verletzte ich noch einige Inhame mit meinem Grabstock, was sie sofort auf Qualitätsstufe zwei herunter kategorisierte. (Peinlich!) Doch nach kurzer Zeit hatte man den Dreh heraus und es machte richtig Spaß.
Um 12.00 Uhr gab es Mittagessen, und jeder hatte dem anderen viel zu erzählen, wie es bei ihm mit der Arbeit geklappt hat.
Marina, unsere ambitionierte Sitioköchin, überraschte Jardson zu seinem heutigen 14. Geburtstag mit einem Ananaskuchen. Die schönste Geste fand ich, dass Jardson das erste Stück Kuchen unserer Köchin Marina widmete und übergab. Anschließend sangen wir gemeinsam noch Glückwünsche und aßen den leckeren Kuchen. (Mampf!)
Am Abend haben wir Holz gesammelt, ein Feuer gemacht, gemütlich Tee getrunken und in den Sternenhimmel geschaut. Marc und Carmen schenkten dem Sitio einen Ghettoblaster, der mit viel Freude entgegengenommen, sogleich auch eingeweiht wurde.
Um ca. 22.00 Uhr bin ich müde und glücklich ins Bett getaucht, gespannt auf einen neuen Tag. Es ist einfach genial auf dem Sitio.
Klaus
Mittwoch, 18. 08. 99
Wie üblich versammelten wir uns nach dem Frühstück im Capoeira-Ring ,um die Arbeitseinteilung vorzunehmen. Bevor wir uns dann ans Inhame- Schälen und Unkrautjähten machten, berichtete uns Ze, einer der Landwirtschaftserzieher, der auch ganz in der Nähe des Sitio wohnt, über Anbau und Ernte von Macaxeira und Inhame. Beim Umgang mit Inhame waren wir Deutschen eher unbegabt, da wir die Art der Arbeit und der Werkzeuge nicht gewohnt sind, aber im Garten, auf dem Macaxeira-Feld und in der Küche konnten wir tatkräftig zur Hand gehen. Die freie Zeit bis zum Mittagessen verbrachten wir in den beiden neuen Hängematten die wir fürs Sitio besorgt hatten.
Nach dem Mittagessen konnten die Kinder beim Nähworkshop T-Shirts und Hosen anfertigen oder am Malworkshop mit Milton teilnehmen. Milton Correia, ein Künstler (Maler und Musiker) kommt wöchentlich auf den Sitio, um dort mit den Kids zu arbeiten. Wir malten ein Bild, auf dem die brasilianischen und deutschen Nationalfarben vereint waren. Natürlich tauschten wir die Werke nach ihrer Vollendung mit denen der Kinder. Nach Flußbad und Abendessen begleiteten wir die Moradores zur Abendschule in Caaporá. Die meisten Schüler, die die Abendschule besuchen, können weder lesen noch schreiben noch rechnen, und in den Klassen ist fast jede Altersstufe vertreten. Für uns schien im Unterricht alles sehr langsam zu gehen und es war ein komisches Gefühl festzustellen, dass wir Brasilportugisisch schneller lernen als ein Eingeborener. 
Wir blieben jedoch nicht allzu lange in der Schule, da wir den Betrieb nicht den ganzen Abend stören wollten, obwohl es auch für unsere Portugisischkenntnisse von Nutzen gewesen wäre. Also zeigten uns Ramos und Isais noch das Städtchen Caaporá, wo wir dann in einer Bar darauf warteten, dass die Schule aus war und wir mit den Kindern zum Sitio zurückfahren konnten.
Kerstin
Donnerstag, 19. 08. 99
Der Tag begann wie immer nach dem Frühstück mit der Tagesbesprechung, bei der Isaias, ein Erzieher, auf das Müllproblem auf dem Sitio hinwies. Der Abfall wird hier einfach auf einen Haufen geworfen und überall liegt etwas herum. Deshalb wurde dieser Tag zum „Tag des Mülls“ erklärt und es sollte eine kleine Müllaufräumaktion stattfinden. Bei der Arbeitsverteilung erfuhren wir, dass heute kein Inhame geerntet werden konnte, weil die Preise auf dem Markt zu niedrig waren. So begaben wir uns dann nur zum Unkraut-Jäten auf dem Macaxeirafeld und im Garten, zum Gemüseputzen in der Küche und zum allgemeinen Saubermachen auf dem Sitio, was unter anderem auch beinhaltete, den herumliegenden Müll zu sammeln. Die Arbeit auf dem Feld war anstrengend, aber die Kinder arbeiteten mit bewundernswerter Ausdauer und auch wir Deutschen gaben uns Mühe, die vorgesehene Arbeitszeit durchzuhalten.
Vor dem Mittagessen veranstaltete Milton, der Musik- und Kunsterzieher, einen Trommelworkshop, der den Kindern großen Spaß bereitete. Es ist auffallend, dass fast alle Brasilianer ein ausgeprägtes Rhythmus-Gefühl besitzen; ich habe kein Kind erlebt, dass nicht musikalisch war oder nicht gerne getanzt hat. Noch in großer Entfernung konnte man die brasilianischen Trommelrhythmen hören.
Auch der Nachmittag widmete sich der Musik bzw. der brasilianischen Folklore. Das Programm bestand aus einem theoretischen und einem praktischen Teil, wobei der theoretische Unterricht im Capim de Cheiro zum ersten Mal durchgeführt wurde.  Die Idee stammt von Milton, der eine Musikgruppe mit den Kindern gründen will, und diese anhand einer musikalischen Grundausbildung aufziehen möchte. Er erklärte den Kindern im Workshophaus die Bedeutung von Folklore und erzählte etwas über verschiedene Tänze und die dazugehörigen Rhythmen und Instrumente. Die Kinder stellten eifrig Fragen und durften die Instrumente auch selbst ausprobieren. Auch die Entstehungsgeschichte der drei traditionellen Tänze Frevo, Maracatú und Forró wurde ihnen nahegebracht. Das große Interesse von Seiten der Kinder bestärkte Milton in seinem Entschluß, ihnen durch die Bildung einer Musikgruppe einen wichtigen Teil der brasilianischen Kultur ans Herz zu legen.
Nach so viel anstrengendem Zuhören und Stillsitzen folgte anschließend der praktische Teil, den der Tanzlehrer Tonho übernahm. Wir trafen uns alle auf dem Tanz- und Versammlungsplatz und los ging’s: Einige Partnerübungen, die nicht nur Bein- und Arm- sondern auch die Lachmuskeln aktivierten, dienten zur Aufwärmung. Aufgeteilt in zwei Gruppen, mußten wir verschiedenen Tänze einstudieren und sie uns nach etwa 10 Minuten gegenseitig vorführen. Getanzt wurde nach dem Takt von Tonho, der seinem Tambourin die unterschiedlichsten Rhythmen und Geräusche entlockte. Die Teilnahme der ungelenken Deutschen am Capoeira, dem typisch- brasilianischen Kampftanz, trug zur allgemeinen Heiterkeit bei. Dann wurde es „ernst“.: Tonho brachte uns viele verschiedene Schritte des Capoeira bei, die anfangs gar nicht so einfach auszuführen waren. Trotzdem hat uns der Tanzworkshop unheimlich viel Spaß gemacht. Wenn man allerdings sieht, mit welcher Leichtigkeit und Geschmeidigkeit, die teilweise auch schon die Kinder besitzen, Tonho den perfekten Capoeira vorführt, verläßt einen Gringo doch der Mut... Als Abrundung haben wir frei Schnauze alles mögliche getanzt. Der allerletzte Tanz war eine Ciranda, die in großem Gelächter endete. Dieser Nachmittag war wirklich eine Bereicherung des Programms auf dem Sitio.
Ein kleiner Teil der Gruppe war unterdessen in Goiana Geschenke einkaufen, die wir den Kindern und Erziehern am letzten Tag überreichen wollten. Leider hat auf dem Rückweg wie so oft der VW-Bus gestreikt, weshalb ein anderer gemietet werden mußte.
Der Tag endete am Lagerfeuer, wo wir zu Gitarre und Bongos brasilianische und deutsche Lieder gesungen haben.
Stefanie
Freitag, 20. 08. 99
5 Tage Sitio waren heute vorbei und das bedeutete, daß die 5-Tageskinder wieder zurück nach Recife oder Olinda mußten. Die Arbeit morgens fiel daher aus, statt dessen sangen und spielten wir auf deutsch und brasilianisch. Die Kinder waren begeistert von unseren Singspielen. Danach wollten die Brasilianer uns unbedingt einen ganz tollen Fluß ungefähr 45 Minuten entfernt zeigen. Also brachen wir alle auf und die 45 Minuten entwickelten sich zu einem 4 Stundenmarsch. Unterwegs wurde gesungen, um die Zeit zu verkürzen, außerdem wurde an einem kleinen Tümpel haltgemacht, um sich abzukühlen. Der Fluß erwies sich zum Baden völlig ungeeignet, da er nur knietief war. Doch es war trotzdem total lustig, da es statt Badespaß nun eine Wanderung wie im Urwald gab. Wie wateten durch den Fluß, umgeben von Gestrüpp, Schlamm und Spinnen.
Bevor die Kinder zurück in die Stadt fuhren, gab es noch die üblichen Abschiedsgeschenke und ein großes Auf Wiedersehen. Wir wußten ja, daß wir einige von ihnen auf der Straße wiedersehen würden. Es ist nicht leicht mit dem Gedanken umzugehen, daß diese Kinder, die eine glückliche Woche hinter sich haben, nun wieder auf sich allein gestellt und Gefahren ausgeliefert sind.
Nun war es sehr ruhig. Am Lagerfeuer gab es an diesem Abend süßes Stockbrot von uns, das ziemlich gut ankam.
Maike
Samstag, 21. 08. 99
Für heute war eigentlich ein Ausflug zum Strand geplant, jedoch regnete es in Strömen, als wir aufwachten. Erst eine gute Stunde später nach dem Frühstück hörte der Regen auf, und die Sonne kam wenig später auch zum Vorschein. Also fuhren die Moradores, die Erzieher und wir mit dem Bus zum Strand Pitimbu. Als wir den Südatlantik erblickten gab es für viele von uns „Gringos“ kein halten mehr. Wir rannten in das Meer und warfen uns lachend in die doch teilweise ziemlich hohen Wellen. Später badeten immer noch ein paar von uns im Meer, die anderen spielten mit den Brasis Volleyball oder Fußball. Anschließend ruhten wir uns am Strand aus- dösten etwas vor uns hin und ließen uns die Sonne auf den Rücken  scheinen. In dieser Zeit vertrieben sich die Moradores die Zeit damit im Meer zu schwimmen oder kleine Krebse zu fangen. Nach der kleinen Siesta gingen wir alle noch einmal im Meer baden. 
Gegen 14 Uhr gingen wir auf ein großes Gelände in deren Mitte sich gut 50 m langes Schwimmbecken befand. Dieses Gelände gehörte zu einer Hotelanlage. Wir warfen uns alle gegenseitig ins Wasser, sprangen mit Kopfsprüngen  oder Saltos vom Beckenrand und hatten alle großen Spaß. Nach der Wasserparty gab es Mittagessen. Wir teilten uns so auf daß immer Deutsche und Brasilianer nebeneinander oder sich gegenüber saßen. Auf diese Weise konnten wir mit den Brasis uns relativ gut verständigen. Anschließend fuhren wir mit dem Bus wieder zurück zum Sitio wo wir gegen halb fünf ankamen. Die Moradores gingen in den Aufenthaltsraum und schauten sich ein Fußballspiel an, während wir uns in den Hängematten etwas ausruhten. Nach dem Abendessen fuhren wir alle in das nächste Dorf nach Caaporá. Dort setzten wir uns in eine Bar und tranken Cola. Später am Abend gingen wir mit den älteren Moradores in die Dorfdisko. Dort tanzten wir bei mäßig guter Musik doch gut ab. Gegen ein Uhr verließen wir ziemlich  ausgepowert die Disco.  Auf der Straße wartete schon Seu Walter der Busfahrer mit seinem Bus auf uns. Gegen halb zwei erreichten kamen wir glücklich und müde auf dem Capim de Cheiro an.
David
Sonntag, 22. 08. 99
Wir wachen auf, und dieser Tag beginnt so, wie Strandtage hier in der Regel zu beginnen scheinen - mit Regen!
Da kann die Freude über einen entspannenden Tag mit den Kindern schon ein klein wenig getrübt werden. Aber die Hoffnung auf stärkeren Sonnenschein ein paar Kilometer weiter gibt einem dann schon noch den nötigen Schwung, in Badehose und Bikini zu schlüpfen.
Im Mikrobus kam durch Gesang und gute Stimmung auch die entsprechende Laune auf. 
Angekommen am Strand „Ponto da Pedras“ freuten sich alle über die Sonnenstrahlen, die nur so darauf gewartet haben, so mancher weißer Haut den nötigen Braunstich zu verpassen - denkt man, nach einem doch noch auftretenden kurzen Regenschauer fängt es fast an zu stürmen.
Wir haben uns bei einer Strandbar, in dessen Küche unser Mittagessen bereits brutzelte, untergestellt und getanzt.
Chico dachte sich Spitznamen für einige der deutschen aus der Gruppe aus:
Maike: Waldhexe
Susanne: Giraffe
Klaus: Vogelstrauß
David: Stachelschwein
Steffi: Hase
Zdena: Maria Bonita
Marc: Dunga
Unser Mittagessen nahmen wir dann erst um 15.00 Uhr zu uns - köstlich!
Danach mußten wir auch schon die Rückfahrt auf das Sitio antreten.
Aber, auch wenn das Wetter nicht die ganze Zeit über mitgespielt hat, war es wieder ein sehr schöner Tag, den wir in intensivem Kontakt zu den Kindern verbracht haben. Vor allem, da es der letzte Tag auf dem Sitio war und wir den Abschied von den Moradores am folgenden Tag vor Augen hatten.
Zdenka
Montag, 23. 08. 99
Nun hieß es auch für uns Abschied nehmen vom Sitio. Es war wieder einen tolle Woche, mit vielen Erlebnissen und vielen Erfahrungen. Es ist erstaunlich, wie nah man sich in einer Woche kommen kann. Mit den Erziehern hatte ich viele Gespräche über ihre Situation und ihre Arbeit. Sie sind so vertrauenswürdig und haben so viel Geduld und Kraft, die sie aufbringen müssen, um ihre Arbeit durchzustehen. Diese Woche Sitio ist am Anfang des Aufenthaltes in Brasilien immer sehr wichtig, um sich erst einmal einzuleben, die brasilianische Luft zu schnuppern und über Brasilien nachzudenken. Die erfolgreiche Arbeit dort mitzuerleben bekräftigt die Notwendigkeit dieses Projektes, ermutigt dazu, weiterhin dieses Projekt zu unterstützen.
Früh morgens um 6.00 Uhr sind wir aufgestanden, um vor dem Frühstück zu packen, zu putzen und die Abschiedsgeschenke für die Moradores und das Sitio zusammenzusuchen. Die Kinder bekamen z.B. Sonnenbrillen, Sonnencreme oder Bonbons, alles schön in Soli-T- Shirts verpackt. Der Sitioverwalterin Simone wurde Küchenmaterial und  Spielzeug überreicht. Dann kam der traurige Moment. Dieses Jahr war der Abschied besonders schwer. Vor allem die Kinder konnten ihre Tränen nicht zurückhalten. Einige schrieben Zettel für uns mit lieben Abschiedsworten.  Jeder schilderte seine Eindrücke und Erfahrungen dieser Woche, und am Ende spielte unser Gitarrenspieler noch seine Lieder, die mir hier in Deutschland immer noch im Ohr liegen. Mit zwei Kombis ging es dann zurück nach Olinda, und insgeheim freute sich doch jetzt jeder auf ein schönes Bett und eine richtige Dusche.
Da es zu einem Programmausfall kam, wurde der Tag nicht so stressig wie erwartet.
Wir hatten genug Zeit, um gemütlich Essen zu gehen, über den Sitioaufenthalt zu reden und Proviant einzukaufen. Es war schön, wieder in der Stadt zu sein, und wir alle freuten uns auf die Straßenarbeit am nächsten Tag.
Maike
Dienstag, 24. 08. 99
Pünktlich um 8.30 Uhr erschienen wir im Büro von Ruas e Pracas, um unseren ersten Tag auf der Straße in Angriff zu nehmen. Wir teilten uns in vier kleine Gruppen mit je ein oder zwei Erziehern auf, um möglichst intensive Erfahrungen zu machen und die normale Straßenarbeit nicht allzu sehr zu stören. Die 1.Gruppe ging zu einem Platz Namens Coelhos, die 2. begleitete ein paar Kids des 5-Tages-Prozeß zur Drogenberatung und Nummer 3  machte sich auf die Suche nach neuen Treffpunkten der Straßenkinder.
Susanne, Klaus und ich begleiteten Edson, seit sechs Jahren Erzieher bei GRP, und Gelly, seit zehn Jahren dabei, zum Praça de Derby in Recife. Leider trafen wir weder auf dem langen Fußweg noch auf dem Platz selbst Kinder an, was wohl auf die starke Präsens der Militärpolizei zurückzuführen war. Aufgrund der in den Medien thematisierten Straßenkinder- und Drogenproblematik wurden verstärkt Polizisten eingesetzt, die die Kinder von öffentlichen Plätzen fernhalten und vertreiben sollten, was die Arbeit der Straßenkinderorganisationen stark beeinflusst und erschwert. Edson nutzte die Zeit, um uns den Aufbau der Arbeit auf der Straße zu schildern:
1. Beobachtung/Observation
der Kinder am Ort und in der Umgebung 
2. Kontaktaufnahme, 
indem man das Interesse der Kinder durch Spiele und Spielsachen (Fußball), Musik (Tamburin), Malen oder die reine Anwesenheit weckt.
3. Erziehung
durch größere Aktivitäten (Basteln/Spielen) und Gespräche, um das Bewusstsein für die eigene Situation, die persönlichen Rechte und Werte des Lebens zu wecken. 
4. “Encaminhamento“
=Wegweisung, Weiterführung
Aufzeigen von Möglichkeiten und Wegen, die Straße zu verlassen:
-Besorgen von Papieren
-Rückkehr zur Familie
-Leben auf dem Sitio Capim de Cheiro
Währendessen kamen  zwei kleine Mädchen auf uns zu, die um Geld bettelten. Edson bot ihnen Papier und Stifte zum malen an, worauf sie sich schießlich nach etwas Zögern einließen. Während sie zeichneten, fragte Edson sie nach ihren Lebensumständen aus. Jaqueline (10 Jahre) und Michele (8 Jahre) hießen sie. Sie leben mit vier weiteren Geschwistern, die alle verschiedene Väter haben, und ihrer Mutter zusammen. Es gab noch ein weiteres Kind, das jedoch einen Monat zuvor gestorben war. Den Vormittag verbringen beide Mädchen bettelnd auf der Straße, und wenn Jaqueline mittags zur Schule geht, bleibt Michele allein; schlafen tun sie jedoch zu Hause.
Gelly und Edson notierten sich genau, was die beiden malten, um eine spätere Interpretation zu erleichtern. Die Kinder sollten das Gefühl bekommen, dass sich jemand für sie und ihr Tun interessiert.
Für uns war es sehr aufschlussreich, direkt die geschilderte Theorie in die Praxis umgesetzt zu sehen. Der geduldige Umgang der Erzieher mit den Kindern und die Fähigkeit, so schnell ein gewisses Vertrauensverhältnis aufzubauen, ist wirklich bewundernswert. Beim Abschied lud Edson die Mädchen ein, am Folgenden Tag wiederzukommen, und hielt Jaqueline mehrmals dazu an, am Mittag auch auf jeden Fall zur Schule zu gehen.
Dieses Erlebnis der Straßenarbeit war für uns bezüglich der Vorgehensweise auf der Straße sehr lehrreich, da wir den Beginn der Arbeit mit bestimmten Kindern noch nicht miterlebt hatten.
Nach dem Mittagessen in der Nähe des Grupo-Büros wurden die Gruppen neu eingeteilt: Rio Branco in Recife Antigo, Pistinha in der Nähe des Shopping Tacaruna und Boa Viagem. Leider trafen wir in Boa Viagem am Treffpunkt keine Kinder, da es in der vergangenen Woche zwei Morde gegeben hatte und die Kids sich deshalb im ganzen Stadtteil verteilt versteckt halten. Ein paar ältere arbeitende Jugendliche waren da, mit denen Marc und Klaus Fußball spielten, und ein elfjähriger Schuhputzerjunge, mit dem ich gemalt habe. Einige Zeit verbrachten wir im Gespräch mit einem Fotographen aus L.A., der an einem Bildband über Straßenkinder arbeitet und Passfotos für die Papiere der Straßenkinder macht. 
Gegen Abend machten wir uns auf den Rückweg zur Pousada, da Loi, ein Erzieher von Sobe e Desce in Olinda, uns zu sich in die Tanzschule eingeladen hat, um uns traditionelle Tänze wie Coco, Frevo, Maracatu, ...... ansatzweise beizubringen. Der gute Wille unsererseits war zwar schon da, doch scheint unsere Motorik irgendwie anders zu funktionieren, so dass unser Stil etwas befremdlich aussah. Aber Hauptsache es macht Spaß. Danach schauten wir noch bei einer Veranstaltung der ursprünglich afrikanischen Religion Candomble vorbei, die für uns stark an eine Sekte mit okultistischem Hintergrund erinnert, da alle in weißen Kostümen wie in Trance zu spirituell angehauchten Klängen tanzen. 
Angestrengt von diesem Tag voller neuer Erfahrungen im direkten Kontakt mit der Straßenkinderproblematik, die es noch zu verarbeiten galt, ging es schließlich ins Bett.
Kerstin
Mittwoch, 25. 08. 99 
Nach dem Frühstück teilten wir uns auf und fuhren in zwei Kombies zum Strand von Gaibu. Die eine Gruppe fuhr noch kurz ins Krankenhaus, da es Marc heute nicht besonders gut ging. Nach knapp zwei Stunden Autofahrt kamen wir am Ziel an. Wir staunten über die hohen Wellen, liefen den Hauptstrand entlang, kraxelten über ein paar Felsen und erreichten einen kleinen Nebenstrand, der sich wunderschön unter Palmen knappe 200 m entlang streckte. In unserer ersten Gruppe waren Tonho, Klaus, Carmen, Steffi, Susanne, Kerstin , der Busfahrer und ich dabei. Zuerst badeten wir im Meer und kletterten auf die kleinen Fischerboote, die in der Bucht festgemacht hatten. Später lagen wir am Strand, unterhielten uns und tranken ein paar Drinks. Gegen ein Uhr kam auch die zweite Gruppe bestehend aus Marc, Zdena, Maike, Berenice und dem zweiten Busfahrer an. Dann zogen Steffi, Susanne, Kerstin und ich los, um die Gegend zu erkunden. Wir liefen an der Küste entlang und bestaunten die sehr hohen Wellen, die an der Felsenküste brandeten. Ich wagte mich zu nah an das schäumende Meer heran und mußte diese Aktion mit nassen Schuhen und einer nassen Hose bezahlen. Nach einer halben Stunde kehrten wir zu unserem Strand zurück, und gingen im nagelegenen Restaurant Mittagessen. Anschließend brachen wir alle bis auf die beiden Busfahrer zu einer kleinen Wanderung auf. Wir liefen die Küste entlang und mußten dabei über Felsen klettern, bestaunten alle die schäumende See und hatten viel Spaß an dem kleinen Abenteuer. Nach einer knapp zweistündigen Wanderung erreichten wir eine kleine Kirche, dort warteten schon die beiden Kombifahrer auf uns. Gegen halb acht kamen wir wieder in Olinda an. Nach dem Abendessen in der Creperia trafen Steffi, Kerstin, Susanne, Marc, Klaus, und ich zufällig vor unserer Pension unseren Busfahrer Seu Walter. Er fragte uns, ob wir Lust hätten, mit ihm für eine knappe Stunde auf ein Fest zu gehen. Natürlich wollten wir uns das Fest nicht entgehen lassen und sagten zu. Wir brauchten fünfzehn Minuten, um mit dem Bus das Fest zu erreichen. Das Fest fand in den Ruinen eines ehemaligen Schlachthofes statt und lag in einem doch ziemlich dubiosen Stadtteil. Wir schlenderten über das Festgelände, gingen in eine Halle hinein, wo gerade eine Band guten Rock spielte, und ließen das „Bizarre Festival“ auf uns wirken. Nach einer Stunde fuhr uns Seu Walter wieder zu unserer Pension. Später saßen wir am Swimming Pool, unterhielten uns und ließen den ereignisreichen Tag in Ruhe ausklingen.
David
Donnerstag, 26. 08. 99
Heute Vormittag stand das Straßenkinderprojekt Sobe e Desce aus Olinda auf dem Programm.
Wir schlängelten uns durch Olindas Straßen, bis wir schließlich beim Projekthaus angekommen waren. 
Zunächst wurden uns die Räumlichkeiten gezeigt, wobei wir auch schon den ersten Blich auf einen der Workshops werfen konnten, eine Alphabetisierungsmaßnahme für kleine Kinder.
Dann saßen wir in einer Runde mit zwei Jungen aus der Basisgruppe. Die Basisgruppe repräsentiert die jeweiligen Projekte nach außen hin und vertritt diese z.B. auch auf Demos.
Da wir nun auch neugierig waren, die „Pontos“ des Projektes zu sehen, machten wir uns unter der Führung des Sozialarbeiters Loy auf den Weg, diese kennenzulernen.
Leider war an keiner der Stationen ein Kind. Das lag daran, weil wir durch das spontane Gespräch mit den Jungs und einer Tanzaufführung einiger Mädchen zu spät dran waren.
Loy fragte uns, ob wir Interesse daran hätten, eine Favela Olindas zu sehen.
Wir stimmten zu, und liefen durch eine hindurch, aber nur auf einer der Randstraßen, da Loy selbst nicht viele Bewohner kennt, und ein tieferes Vordringen in die Favela gefährlich werden könnte.

Nachmittags: Grupo Ruas e Praças.
Mit Roselene und Mônica machten Klaus, Maike und ich uns auf den Weg zum Ponto „Rio Branco“.
Maike und ich wußten, daß wir wahrscheinlich zwei Mädchen vom Jahr zuvor wiedertreffen würden, was auch so kam.
Janaina und Taciana sahen verändert aus und im Vergleich zum letzten Jahr, schlechter. Sie erkannten uns sofort und es kam auch sofort eine gewisse Vertrautheit auf. 
Beide malten viele Bilder und redeten mit den Erzieherinnen.
Dieser Nachmittag hinterließ einen großen Eindruck, denn wie auch an den anderen Punkten der Straßenarbeit ist es immer schwer mit anzuschauen, wie es den Kindern, die man vor ein oder zwei Jahren kennengelernt hat, leider nicht besser geht.

Zdenka
Freitag, 27. 08. 99
Den Vormittag hatten wir frei. Fast alle nutzten ihn, um in die Stadt zu fahren und Geld zu wechseln. Treffpunkt war 13 Uhr bei der Grupo Ruas e Praças (GRP). Heute stand eine Demonstration der Straßenkinderbewegung auf dem Programm. Die Demonstranten wollten gegen die Gewalt angehen, gegen die Gewalt, die jeden Tag geschieht (familiäre Gewalt, Prostitution, politische und städtische Gewalt und Ausrottung). Die Demonstration leitete das 4. regionale Treffen der Straßenkinder des Nordostens ein, das an diesem Wochenende stattfinden sollte.
Wir Deutschen, die Erzieher und die 2 Basisgruppen der GRP gingen zu dem Platz 'Tortura nunca mais' (Niemals mehr Folter), wo sich schon andere Basisgruppen und Erzieher eingefunden hatten. Es lief Musik und die Stimmung war richtig toll.
Natürlich beobachtete die Polizei aus einiger Entfernung das ganze Geschehen, verhielt sich aber ruhig.
Dort, am Platz 'Tortura nunca mais', trafen wir auch die 3. Basisgruppe der GRP, 5 Jugendliche vom Sitio. Ein freudiges Wiedersehen. Es war vor allem schön zu sehen, daß die zurückgelassene Kleidung auf dem Sitio voll im Einsatz war.
Um 15 Uhr 30 endlich gingen wir Demonstranten los, quer durch die Stadt. Unser Schlachtruf war 'Queremos viver, não só sobreviver' (Wir wollen leben, nicht nur überleben). Die Hälfte der Straße war abgesperrt und unsere kleiner Demonstrationszug lief singend und schreiend durch die Straße.
Nach einer dreiviertel Stunde erreichten wir einen Platz, auf dem schon eine Bühne aufgebaut war und ein anderer Demonstrationswagen stand, der über Mikrophon weitere Schlachtrufe verbreitete. Wie sich später herausstellte, fanden auf einem Platz zwei Demonstrationen statt. Welch ein Chaos. Zwei Demonstrationswagen, die unterschiedliche Interessen vertraten und sie auch lauthals verkündeten. Aber glücklicherweise regelte sich das ganze noch.
Auf der Bühne gab es Livemusik und verschiedene Basisgruppen machten Tanz- und Singaufführungen. Es war eine tolle Atmosphäre. Schade nur, daß sehr wenige an der Demonstration teilnahmen.
Es wurde ein Flugblatt verteilt, auf dem sowohl Forderungen, Vorschläge, aber auch die Träume der Straßenkinder standen.
"Unsere Träume:
 ein würdevolles Leben ohne Gewalt
 Schluß machen mit Gewalt, mit Drogen, mit der Prostitution und der Diskriminierung
 Erziehung, Ausbildung und ein Haus für alle Kinder, speziell für jene, die auf der Straße leben
 glücklich sein, Liebe von der Familie bekommen
 die Kinderprostitution beenden
 und, und, und "
Das sind in meinen Augen Träume, die wir oft gar nicht träumen müssen, da sie schon in Erfüllung gegangen sind.
Am Ende der Demonstration tanzten alle zusammen Ciranda. Wir faßten uns an den Händen, bildeten einen riesengroßen Kreis, sangen und tanzten im Kreis herum. Es war ein tolles Gefühl, ein Gefühl der Verbundenheit und Stärke. Damit ging die Demonstration zu Ende.
Am Abend gingen wir alle in die Altstadt Recife. Dort trafen wir auch wieder Straßenkinder, die einige von uns bei der Straßenarbeit in 'Rio Branco' kennengelernt haben. Sie leisteten uns Gesellschaft und tanzten mit uns. Erst spät am Abend kamen wir ins Bett.
Susanne
Samstag, 28. 08. 99 / Sonntag, 29 .08. 99
Am Samstag brachen wir mit Roseane, Geli und Monica zu einem Standausflug übers Wochenende ins südlich gelegene Bundesland Alagoas auf. Nach langer Fahrt und einer der hier momentan üblichen Polizeikontrollen erreichten wir den schönen Strand Tamantaré in einem ehemaligen Fischerdorf. Bevor wir zum Strand von Carneiros weiterfuhren, testeten wir noch schnell die Wassertemperatur. Carneiros ist ein paradiesischer Traumstrand, wo wir uns erstmal im türkisblauen Wasser abgekühlt und anschließend einen kleinen Strandspaziergang genossen haben. Den Weg zum Wochenendhaus von Roseanes Familie traten wir nicht eher an, bevor wir uns in einem Strandlokal gestärkt hatten. Unterwegs besuchten wir Roseanes Mutter, die uns mit allerlei Köstlichkeiten fürs Abendessen und Frühstück versorgte. Die restliche Fahrt zum Wochenendhaus verlief sehr lustig, da wir den Brasilianern deutsche Schlager und andere deutsche Lieder vor “sangen“. Nachdem wir angekommen waren, gab es gleich Abendessen. Danach verstrickten wir uns in eine lange Unterhaltung über Offenheit und Höflichkeit in Brasilien und Deutschland, so dass wir erst spät ins nahegelegene Städtchen aufbrachen, wo wir den Abend in einem Straßencafé mit brasilianischer Live-Musik verbrachten. Sehr spät kehrten wir in unser Wochenendhäuschen zurück und nahmen dort unser abenteuerliches Nachtlager in den Betten, auf dem Boden, in der Hängematte, unter und auf dem Tisch ein.

Am nächsten Morgen standen wir erst gegen 10.00 Uhr auf. Nach einem typisch brasilianischen Frühstück, das wir alle gemeinsam zubereitet haben, wollten wir eigentlich an den Strand fahren, aber der Regen machte uns einen Strich durch die Rechnung. Dieser Umstand war aber nicht unbedingt bedauerlich, da wir den Sonntag dazu nutzten, einmal richtig auszuspannen und die Eindrücke, die wir gewonnen hatten, zu verdauen. Außerdem lernten wir eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung der Brasilianer kennen: Dominospielen! Die Einheimischen, vor allem die Kinder, beherrschen dieses Spiel außergewöhnlich gut und man sollte nicht meinen, dass eine so ausgeklügelte Taktik dahintersteckt. Am späten Nachmittag brachen wir wieder nach Recife auf, allerdings nicht ohne noch einmal im Meer zu baden. Auch bot uns Roseanes Vater noch eine kleine Erfrischung an, indem er eine Runde Agua de Coco von seinem Kokosnusspalmenhain spendierte. 
Am Abend  besuchten uns William  und Junior, zwei Straßenkinder aus Olinda, in der Pousada, um sich zu verabschieden, bevor sie auf den Sítio fuhren. Sie haben mit uns gegessen und es war sehr lustig. Wir haben uns alle unheimlich gefreut, dass sie an uns gedacht haben und extra vorbeigekommen sind.
Den Rest des Abends verbrachten wir kräftig tanzend und feiernd im Z4 in Olinda, wo eine Afoxé-Party stieg. Viele Erzieher waren da und wir bemühten uns, beim Tanzen mitzukommen. Erst spät ging’s ins Bett. 

Kerstin, Stefanie
Montag, 30. 08. 99
Heute morgen stand ein Besuch bei Semente do Amanhã (Samen des Morgens) auf dem Programm. Semente do Amanhã ist ein Präventionsprojekt, das sich in einer ehemaligen Favela befindet. Es existiert seit 1989. Die Grundidee von Semente do Amanhã ist, die Kinder zu beschäftigen und zu schützen, damit sie nicht auf der Straße landen. Sie bieten Näh-, Mal-, Tanz- und Kochworkshops an, es gibt ein einen Lese sowie Schreinerkurs und sie haben eine Fußballmannschaft. Leider haben sie momentan finanzielle Schwierigkeiten, so daß sie nur noch 3x pro Woche ihr Haus öffnen und Workshops anbieten können. Sie suchen nach neuen Finanzierungmöglichkeiten und TV-Globo, Brasiliens größter Fernsehsender, hat schon eine Reportage über sie gedreht. Natürlich durften wir sie im Laufe des Vormittags anschauen.
Wir wurden sehr freundlich von Verónica, der Leiterin, begrüßt. Jeder, erst die brasilianischen Erzieher und Kinder, dann die Deutschen, stellte sich mit Namen vor und erzählte etwas über sich. Anschließend zeigte uns die Tanzgruppe traditionelle Tänze, die sie gelernt hatten, Maracatu, Afoxé, Frevo und Coco. Am Ende ihrer Vorführung forderten die Tänzer/Innen uns Deutsche auf, mitzutanzen. Das war vielleicht ein Gelächter, aber es hat sehr viel Spaß gemacht, und einige von uns stellten sich auch gar nicht so schlecht an. Zum Abschluß sagte Verónica, daß sie es schön fand, daß wir alle zusammen ein kleines Fest gefeiert haben.
Am Nachmittag gingen einige von uns in die Stadt, um Sachen wie zum Beispiel Sandalen, Kokosringe, Armbändchen und so weiter für die AG-Recife einzukaufen. Sie werden in Deutschland für eine Spende weitergegeben. So ein "Einkaufsbummel" ist ganz schön anstrengend.
Am Abend waren wir ziemlich müde. Einige gingen noch auf den Hügel, um den beliebten Tapioca und Queijo zu essen, die anderen blieben in der Pousada und machten es sich dort gemütlich.
Susanne
Dienstag, 31. 08. 99
Nachdem wir uns bei der Grupo Ruas e Praças getroffen hatten und alle Teilnehmer auf die verschiedenen Pontos verteilt waren, machten Marc, Maike und ich uns auf den Weg zu Santa Rita.
Hier lernten wir die etwas andere, aber leider nicht völlig untypische, Seite der Straßenarbeit kennen. Wir kamen an und es waren keine Kinder da. 
Mônica und Roselene erklärten uns, daß die Stadt eine neue Maßnahme durchführt, die Kinder einsammelt, ihnen zu essen gibt und eine Dusche anbietet.
Im ersten Moment konnten wir den Frust der beiden darüber nicht verstehen, da sich doch nun endlich auch von offizieller Seite etwas tut.
Dann aber erkannten auch wir das Problem: die Kinder bekamen zwar Nahrung usw., doch keinerlei pädagogische Unterstützung. Meistens, erzählten Mônica und Roselene, wirft diese Maßnahme der Stadt die Arbeit und den Fortschritt der Pädagogen sogar zurück.
Wir warteten noch 1,5 Stunden, und als dann immer noch keine Kinder aufgetaucht waren, machten wir uns wieder auf den Weg zum Büro.

Nach dem Mittagessen waren wir drei zu Boa Viagem mit Tonho und Roseane eingetragen. 
In Boa Viagem angekommen, trafen wir Jugendliche, die gerade dabei waren, die Zeit totzuschlagen. Zwei ließen sich gerade tätowieren, ein anderer versuchte sich im Rollerbladen in viel zu großen Schuhen und die anderen hiengen nur herum.
Ein Mädchen zeigte uns ihr kleines Baby, die meiste Zeit verbrachte sie damit, die Fliegen von ihrem Kind fernzuhalten. 
Die Erzieher packten Bastel- und Malzeug aus und dieses Angebot wurde auch zahlreich genutzt.
Vor allem waren wir damit beschäftigt dabei zu helfen, Bastarmbänder mit den Jugendlichen zu knüpfen.
Da die Busfahrt nach Hause lang dauert und wir auch noch einkaufen gehen mußten, verabschiedeten wir uns von den Kindern.
Abends traf sich die Gruppe zur Planung des Abschlußfestes und besuchten danach wieder die Tanzstunde mit Loy.

Zdenka
Mittwoch, 01. 09. 99
Heute vormittag stand das Auswertungstreffen mit den brasilianischen Gruppen an.
Über den Sitioaufenthalt waren sich Deutsche wie Brasilianer einig, dass sich die Gruppe gut integriert hat. Die Deutschen waren außerdem von der Energie der Erzieher und der vielen selbstgemachten Musik begeistert. Die Brasilianer fanden, dass wir uns aktiv und gut in die pädagogische Arbeit eingebracht haben. Die deutschen Teilnehmer, die schon einmal in Capim de Cheiro waren, waren alle der Ansicht, dass es wesentlich strukturierter und ruhiger vonstatten ging, was wir als die Früchte der Arbeit der Erzieher interpretierten. Während des Gesprächs kam die Frage auf, was eigentlich mit den Jugendlichen passiert, sobald sie 18 werden, da wir am Anfang erfahren hatten, dass sie dann den Sitio verlassen müssen. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine ist die Rückkehr in die Familie, nachdem genügend Kontakte stattgefunden haben. Eine zweite ist der Einstieg in den informellen Arbeitsmarkt, der von einer irischen Gruppe mit ausgeliehenem Startkapital unterstützt wird. Eine dritte Möglichkeit ist die Weitervermittlung an ein anderes Projekt in der Stadt. Es gibt verschiedene weitere Alternativen. Außerdem wird häufig durch die Mitarbeit in Werkstätten in Caapora, dem nächsten Ort zum Sitio, ein weiterer Grundstein für ein Leben auf eigenen Füßen gelegt.
Auch bei der Arbeit auf der Straße waren die Brasilianer der Meinung, dass wir uns sehr gut eingebracht haben, vielleicht auch durch die portugiesischen Grundkenntnisse von einigen.
Die deutsche Gruppe interessierte sich noch dafür, welche Ausbildung es für Straßenerzieher gibt. Es ist so, dass eine spezielle Ausbildung nicht existiert. Es gibt jedoch verschiedene Weiterbildungsangebote in diesem Bereich, zum Beispiel von der städtischen Suchtberatungsstelle oder von der nationalen Straßenkinderbewegung.
Über deren Struktur wurden wir als nächstes aufgeklärt. Sie ist zum einen der Zusammenschluß der Erzieher und Personen, die mit Straßenkindern arbeiten beziehungsweise für sie kämpfen, zum anderen auch der Zusammenschluß der Straßenkinder selbst. So gibt es verschiedene Basisgruppen der Kinder, die jeweils von Erziehergruppen betreut werden. Ruas e Praças betreut insgesamt drei Gruppen: Die 'artistas da rua' (Künstler der Straße), das sind die arbeitenden Kinder, 'girassol' (Sonnenblume), in der die Jugendlichen des Sitio, aber auch der ländlichen Umgebung des Sitios vertreten sind, sowie die 'meninos da rua', die drogenkonsumierenden und auf der Straße lebenden Jugendlichen.
Das Programm betreffend waren sich die Deutschen einig, dass Qualität und Mischung sehr gut waren. Einige hätten gerne mehr auf der Straße gearbeitet, die meisten fanden die Tage auf der Straße jedoch ausreichend. Für die deutsche Gruppe wäre manches einfacher zu organisieren, wenn von brasilianischer Seite verantwortliche Personen für die einzelnen Tage oder Wochen benannt würden. Trotzdem hat die Organisation sehr gut funktioniert.
Anschließend führten wir noch ein kurzes Gespräch mit Grupo 'Sobe e decse'. Dort wäre für uns ebenfalls die Arbeit auf der Straße interessant gewesen, aber Abstimmungsprobleme mit Ruas e Praças führten dazu, dass wir Sobe e desce an einem Tag besuchten, an dem keine Straßenarbeit stattfand. Trotzdem war es interessant, die Struktur der Gruppe kennenzulernen, besonders, wie sie die Arbeit auf der Straße und die Stadtteilarbeit verbinden, was es einfacher macht, die Straßenkinder aus den Stadtteilen wieder zu Hause unterzubringen. Im nächsten Jahr möchten sie uns Straßenarbeit zeigen und uns eventuell einige Eltern von Kindern, die wir kennengelernt haben, vorzustellen.
Das Gespräch war sehr kurz, da Sobe e desce noch einen Termin im Rathaus hatte. Dort sollten sie für Gelder, die ihnen vor einigen Jahren zugesichert worden waren und die ihnen nie ausgezahlt wurden, einen Verwendungsnachweis vorlegen sowie bestätigen, das Geld vor zwei Jahren erhalten zu haben. Deutsche und Brasilianer waren sich einig, dass das seltsame Methoden sind.
Den Nachmittag verbrachten wir damit, verschiedene Dinge für das Abschlußfest zu organisieren sowie Geschenke für die Gruppen zu kaufen.
Marc
Donnerstag, 02. 09. 99
Die Vorbereitungen für das große Abschlussfest, das am Abend stattfinden sollte, nahmen den Tag fast völlig in Anspruch. Die Geschenke, die wir für die Gruppen ausgesucht hatten, wurden nett verpackt und für Walter, den Busfahrer, bemalten wir ein T-Shirt, auf dem zusätzlich alle unterschrieben. Neben einigen erholsamen Stunden am Strand oder im Swimming-Pool gab es bis zum Beginn des Festes noch viel zu tun: Letzte Einkäufe mußten getätigt werden, die Bar geschmückt und die Früchte für die Bowle kleingeschnipselt werden. Ein Glück packte Roseane, eine Erzieherin, kräftig mit an. Vor allem Susanne und Klaus hatten mit der Koordination des Festes alle Hände voll zu tun, aber letztendlich waren wir gegen 19.00 Uhr bereit, unsere brasilianischen Freunde zu empfangen. Die Erzieher der Organisationen GRP, Sobre e Desce und Semente do Amanha reisten alle mit Kind und Kegel an, was dazu führte, dass wir insgesamt ca. 50 Personen waren. Kaum hatten wir ein paar gemeinsame Tänze auf den Rasen gelegt, herrschte bei allen eine fröhliche Stimmung.
 Gegen 23.00 Uhr fand der offizielle Teil des Abends statt, an dem wir Geschenke austauschten und herzliche Dankesworte wechselten. Der GRP überreichten wir mehrere Alphabetisierungs- und andere Spiele für das Capim de Cheiro und die Kinder auf der Straße. Zusätzlich schenkten wir den Erziehern, die das ganze Programm für uns organisiert hatten, als Gastgeschenk ein Album mit Bildern von Deutschland und je einer persönlich gestalteten Seite. Sobre e Desce bekam von der Soli-Jugend mehrere Brettspiele, da wir bei unserem Besuch dort keine entdeckt hatten. Weil Semente do Amanha viele handwerkliche Workshops wie Nähen oder Malen anbietet, übergaben wir den Erziehern dieser Gruppe Malmaterial. Wir wünschen uns, dass unsere Geschenke sehr viele Kinder glücklich machen werden, und wir hoffen, dass sich die Gruppen über unsere Geschenke genauso freuen wie wir uns über ihre, die wir kurz darauf bekamen: Von GRP erhielt jeder einen von den Kindern bemalten Karnevalshut, Sobre e Desce schenkte jedem ein selbstgemachtes Armbändchen und die Kinder von Semente do Amanha hatten Taschentücher für uns bestickt. Wir haben uns alle sehr gefreut und dementsprechend glücklich in die Kamera gelacht, als wir ein Gruppenfoto mit Karnevalshütchen geknipst haben. Kurz darauf waren wir allerdings wieder traurig, da niemand von uns nachhause wollte. Trotzdem genossen wir den letzten gemeinsamen Abend indem wir zusammen Samba, Frevo oder Ciranda tanzten, den Brasilianern den deutschen Schlager „näherbrachten“ oder in angeregten Unterhaltungen ein letztes Mal unsere Portugiesisch-Kenntnisse vertieften. 
Auch wenn sich gegen 3.00 Uhr morgens schon der Großteil der Brasilianer verabschiedet hatte, erreichte die Stimmung einen Höhepunkt, als einige von uns in den Pool sprangen und einige andere sich unfreiwillig dazugesellten. Erst als die Sonne unseren letzten Tag auf brasilianischem Boden ankündigte, fanden wir für ein paar Stunden Ruhe, aber wir waren uns alle einig, dass es sich gelohnt hatte, den Schlaf um eine Nacht zu verschieben...
 Stefanie
Freitag, 03. 09. 99
Abreisetag.
Nach unserer ausgiebigen Abschiedsfeier ganz nach brasilianischer Art und Weise, mussten wir schon nach wenigen Stunden Schlaf wieder aufstehen, um rechtzeitig mit dem Packen fertigzuwerden.
Während wir auf Walter und die Leute von der Grupo warteten, kam Milton noch vorbei, um sich zu verabschieden und uns Bilder von den Kids auf dem Sitio zu bringen, die sie für uns gemalt hatten. 
Auf dem Weg zum Flughafen lieferten wir Susanne, die länger in Brasilien blieb, noch an der Metrostation ab.
Um 15.15 Uhr hatten wir am Flughafen eingecheckt und dann hieß es Bob`s Burger auf der Besucherterrasse futtern und warten. Natürlich durfte vor dem endgültigen Abschied die große Ciranda in der Abflugshalle nicht fehlen und so war es auch nicht zu vermeiden, dass einige Abschiedstränen flossen und wir erst auf den letzten Drücker im Flieger saßen, da wir die Dauer der Abschiedszeremonie unterschätzt hatten. Mit eineinhalb Stunden Verspätung starteten wir schließlich und konnten vom Flugzeug aus noch einen letzten Blick auf die Skyline von Boa Viagem erheischen, bevor es Richtung Heimat ging.
Kerstin
Abschlußbeurteilung

AbschlußbeurteilungDer Inhalt dieser Abschlußbeurteilung ist das Ergebnis des Nachbereitungstreffens vom 23. 10. 1999 in Karlsruhe.

1. Ergebnisse
Ziel dieser Reise war es zum ersten, den kulturellen Austausch unter Jugendlichen zu fördern, ihnen die Möglichkeit zu geben, eine andere Mentalität kennenzulernen.
Zum zweiten ging es darum, deutschen Jugendlichen die Lebensrealität armer brasilianischer Jugendlicher näherzubringen. Das Kennenlernen einer Schwellenlandgesellschaft soll zur Ausbildung eines Bewußtseins für Armutsprobleme führen und soziales Engagement fördern. Weiter sollen Hilfsmöglichkeiten aufgezeigt werden, um die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zur aktiven Mitwirkung in sozialen Institutionen zu animieren.
Zum dritten sollte jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer die Möglichkeit gegeben werden, seinen persönlichen Horizont zu erweitern, auch mit dem Ziel, Multiplikatoren auszubilden, die das erlernte an andere Jugendliche weitergeben, um eine Streuung der Bewußtseinsbildung zu erreichen.
Ausgehend von diesen Zielen kann man sagen, daß die Reise ein Erfolg war. 
Die Kommunikation mit brasilianischen Jugendlichen fand sehr intensiv auf verschiedenen Ebenen statt, zum Beispiel bei Spiel, Basteln und der Arbeit, aber auch in persönlichen Gesprächen, die durch die Lernfähigkeit auf beiden Seiten schnell und zahlreich zu stande kamen.
Durch die Teilnahme an kulturellen Workshops für die Kinder sowie durch mehrere Einladungen in die Schule für Volkstänze gab es eine kurze aber intensive Einführung in die Kultur des brasilianischen Nordostens.
Das Kennenlernen dreier Projekte vermittelte viele Probleme der armen Brasilianer sowie die Lösungsversuche. Beim Besuch von armen Familien konnte sich jeder eine Bild davon machen, von welch furchtbarer Armut ein Teil der brasilianischen Bevölkerung betroffen ist.
Die mehrfache Teilnahme an der Sozialarbeit auf der Straße zeigte die Alltagsprobleme der Straßenkinder deutlich, in manchen Fällen zu deutlich.
Das Zusammenleben auf  dem Sitio Capim de Cheiro war eine sehr wertvolle Erfahrung, da man hier engen Kontakt zu Jugendlichen gefunden hat, die gerade daran arbeiten, ihr Leben zu verändern. Das Besondere war, daß die Jugendlichen sowohl über ihre eigene Geschichte und die Ursachen ihrer Situation sprachen, als auch über ihre Träume und ihre Versuche, ihre Situation zu verbessern. Die Motivation, die sie dabei besaßen, machte uns allen Mut.
Die Erlebnisse dieser Reise haben bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern vieles verändert. Man nimmt Armut heute nun anders wahr, sowohl weltweit über die Medien, als auch die Armut in Deutschland. Viele entwickelten Ambitionen, sich in diesem Bereich ehrenamtlich zu engagieren, falls sie es nicht schon früher waren. Bei manchen wird es eventuell sogar Auswirkungen auf die Berufswahl haben.
Ein weiterer Effekt ist die veränderte Wertschätzung der deutschen Jugendlichen, wir alle sind uns dessen, was wir haben, nun viel bewußter. Das Erlebnis der schockierenden Kontraste einer Schwellenlandgroßstadt läßt einen nun den hohen Wert der Chancengleichheit erkennen. Leider konnten wir diese Kontraste nur sehr einseitig kennenlernen, da wir den Reichtum nur von außen kennengelernt haben, während wir einen genauen Einblick in die Armut bekamen. Die Meinung der vergleichsweise wohlhabenden Bevölkerung blieb uns verborgen, aber wir sind uns einig, daß dies schwer in diesen Rahmen integrierbar ist.
Trotzdem hat diese Reise bei vielen dafür gesorgt, daß sich ihre Sichtweise von Armut verändert hat. Alle entwickelten das Bedürfnis, anderen von der Problematik zu erzählen, eventuell werden manche mit Vorträgen an die Öffentlichkeit treten.

2. Erfahrungen
Grundsätzlich birgt Reisen in Brasilien ein hohes Streßpotential. Einerseits ist es nicht unbedingt "Brasilianisch", alles bis ins Detail zu planen, andererseits gibt es noch weitere Faktoren, die den Ablauf der Reise stören können, allen voran die Infrastruktur, die Transportmittel und die mangelnde Versorgung mit Telefonen. Während Brasilianer diese Störungen nicht unbedingt wahrnehmen, führen sie in der deutschen Gruppe zu Streß, da man doch immer bestrebt ist, pünktlich zu sein und alles so durchzuführen, wie es einmal besprochen war. In Folge der mehrjährigen Partnerschaft konnten sich die Gruppen dabei sehr aneinander annähern. Was die Planungsgenauigkeit angeht, versuchten die Brasilianer, einen großen Schritt auf uns zu zu gehen. Dies gelang, so daß wir einen sehr gut organisierten Aufenthalt hatten. Die Anpassung der Deutschen lag darin, daß wir, falls etwas schief lief, einfach "brasilianisch" reagierten.
Die Wissbegierigkeit und Lernfähigkeit förderte die Erfahrungen, die wir gemacht haben, ebenso die Mischung aus erfahrenen und neuen Teilnehmern. Auch die Brasilianer waren sehr daran interessiert, uns Informationen weiterzugeben, was man daran sieht, daß sie uns sogar Materialien mitgeschickt haben, um in Deutschland weitere Informationen zu verbreiten. Eine ganz wichtige Rolle spielte natürlich noch unsere Dolmetscherin, da sie erstens ortskundig ist und zweitens durch ihre Ausbildung als brasilianische Soziologin viel Hintergrundwissen einbringen konnte. 
Die Teilnehmer sollten in jedem Fall eine gefestigte Persönlichkeit besitzen, da die Erlebnisse unter Umständen eine hohe psychische Belastung darstellen.

3. Erkenntnisse
Während der Reise lernt man viele Dinge kennen, die in der Heimat anders ablaufen und einem zunächst einmal Fremd sind.
Auf die Kultur und Mentalität bezogen, haben wir die Brasilianer als spontanes, musikalisches und sehr gastfreundliches Volk kennengelernt.
Viel gravierender als die kulturellen Unterschiede waren natürlich die gesellschaftlichen. Wir haben eine Gesellschaftsstruktur kennengelernt, in der man an der Verteilungsgerechtigkeit noch koloniale Einflüsse spüren kann. Man lernt, welch Glück man doch hat, in Mitteleuropa geboren zu sein. Soziale Absicherung ist in Brasilien ein Fremdwort, und Chancengleichheit wird noch lange ein Traum bleiben. Während sich die Situation der Armen und Straßenkinder stetig verschlechtert, hält sich der Staat aus der Förderung der Benachteiligten weitgehend heraus und überläßt diese kleinen, an chronischem Geldmangel leidenden Nichtregierungsorganisationen (NGO's). Aus der fehlenden Chancengleichheit folgt die äußerst geringe soziale Mobilität, die den extremen Unterschied zwischen Arm und Reich in naher Zukunft wohl noch verschlimmern wird. Alle von uns haben in Brasilien den unschätzbaren Wert der sozialen Mobilität und Chancengleichheit sehr zu schätzen gelernt.
Für uns alle ergab sich eine andere Sichtweise der Armut. Während die meisten von uns früher Armut nur wahrgenommen haben, haben wir heute eine kritischere Sichtweise und setzen uns damit auseinander, wenn wir mit Armut konfrontiert werden. Wir haben nun ein persönliches Interesse an der Erkundung der Ursachen der Armut.
Das Konsumverhalten der Brasilianer betreffend mußten wir eine verwunderliche Feststellung machen. Wir hatte den Eindruck, daß in Deutschland, obwohl wir eigentlich viel mehr von den meisten Gütern haben, sehr viel bewußter mit Gütern umgegangen wird. Dies beobachteten wir in Brasilien auch bei Armen und sogar im Bereich Nahrungsmittel.
Insgesamt drängte sich aber der Eindruck auf, daß Brasilianer glücklicher und genügsamer sind.

4. Schlußfolgerungen
Die Dauer von 3 bis 4 Wochen ist angemessen. Es sollten auf keinen Fall weniger als 3 Wochen sein.
Es ist notwendig, eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher aus Deutschland mitzubringen, da eine gute Übersetzung für das Verständnis und den Wert der Reise absolut notwendig ist und außerdem unsere brasilianischen Partner weder über die notwendigen Kontakte noch über erforderliche finanzielle Mittel verfügen, um eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher zur Verfügung zu stellen.
Die Vorbereitung in diesem Jahr wurde von allen als ausreichend bezeichnet. Wir sind uns darin einig, daß eine gute inhaltliche Vorbereitung ein wichtiger Baustein zum Erfolg der Veranstaltung ist.
Die zeitliche Aufteilung war sehr gut. Es ist wichtig, daß der Aufenthalt auf dem Sitio Capim de Cheiro am Anfang liegt, da man hier das Handwerkszeug für die Kommunikation mit den Kindern am leichtesten lernt.
Es ist immer unser bestreben, den pädagogischen Prozeß während unseres Aufenthaltes so wenig als möglich zu stören. In diesem Jahr wurden wir sehr für unsere Fähigkeit gelobt, uns in die Arbeit einzubringen, sowohl auf Capim de Cheiro mit eigenen Workshops, als auch auf der Straße, wo wir mit den Kindern gespielt und gebastelt, aber auch Schreiben und Lesen geübt haben.
Es hat sich als effektiver herausgestellt, wenige Sozialarbeitergruppen zu besuchen, sich mit diesen jedoch intensiver zu beschäftigen. Vor allem der hohe Stellenwert der Straßenarbeit bei der diesjährigen Reise war sehr wichtig.
Die Gruppe diesen Jahres ist sich einige, daß es auf jeden Fall sinnvoll ist, diese Maßnahme in Zukunft wieder durchzuführen.

für die Gruppe 1999
Marc
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