| aus Yahoo! Schlagzeilen, 20.11.98
Den Straßenkindern in Rio eine Identität geben Verantwortung für die Kinder übernehmen Von AP-Korrespondent Michael Astor Rio de Janeiro (AP) Sie verkaufen Erdnüsse in Kneipen, betteln an Ampeln, schnüffeln Klebstoff oder betätigen sich als Taschendiebe -die Straßenkinder in Rio de Janeiro scheinen einfach überall zu sein. Dabei weiß niemand genau, wie groß ihre Zahl ist. Weil viele von ihnen nicht einmal eine Geburtsurkunde oder einen Ausweis besaßen, sind sie oft so anonym gestorben, wie sie gelebt haben. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat sich ein Projekt des Jugendgerichts die erste ernsthafte Zählung der Straßenkinder zum Ziel gesetzt. "Es gab immer sehr widersprüchliche Zahlen darüber, wieviele Kinder auf der Straße leben. Das reichte von 300 bis zu Schätzungen von drei Millionen", erklärte Jugendrichter Siro Darlan. 40 Psychologiestudenten, Fotografen und andere freiwillige Helfer haben monatelang die Straßen durchkämmt, mit den Straßenkindern gesprochen, Fotos gemacht und Fingerabdrücke genommen. Dabei wurden 932 Kinder mit einem speziellen Identitätsausweis ausgestattet. Darlan ist überzeugt, daß die Ausweise für die Kindern ein faßbarer Beweis sind, daß sie von der Gesellschaft anerkannt werden. Die Ausweise seien so populär, daß einige Kinder deswegen ins Jugendgericht gekommen seien, sagte er. Die Kinder erhoffen sich durch die gesellschaftliche Anerkennung auch Schutz vor Übergriffen der Polizei und privaten Sicherheitskräften, von denen sie oft geschlagen werden. «Ich fühle mich gut mit dem Ausweis, weil ich mir geschützter vorkomme», sagt der 13jährige Marcos Antonio Santos Jesus und fingert an der Karte, die ihn als Teil der «geförderten Straßenbevölkerung» ausweist. Andere glauben nicht, daß der neugewonnene soziale Status einen Unterschied macht: «Die Polizei hat mich trotz der Karte geschlagen», sagte der elfjährige Alan Vilela Marques. Darlan ist überzeugt, daß die Zahl der knapp 1000 bisher Registrierten der wirklichen Anzahl der Straßenkinder in Rio sehr nahe kommt. Aber damit ist das Projekt nicht zu Ende: Ein überraschendes Ergebnis der Zählung war, daß fast alle Straßenkinder mindestens einen lebenden Elternteil haben. Bei zwei Dritteln leben sogar noch beide Eltern. «Unser Ziel ist es, die Familien dazu zu bringen, die Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen», erklärte Darlan. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter versuchen, die Eltern ausfindig zu machen und zur Teilnahme an vom Gericht verordneten Kursen zu bringen, in denen sie über Hygiene, Familienplanung und die Sozialhilfeangebot der Regierung informiert werden. Um zu erreichen, daß die Eltern teilnehmen, sollen die Kinder für die Zeit der Kurse in städtischen Unterkünften untergebracht werden. Das Projekt wird ausschließlich aus privaten Spenden finanziert. |
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